Mannheim (dpa) - Trotz rasanter Wirtschaftserholung in Deutschland haben sich sich die Konjunkturerwartungen von Finanzexperten für die kommenden Monate erneut erheblich verschlechtert. Der ZEW- Konjunkturindex sank im September überraschend deutlich um 18,3 Punkte auf minus 4,3 Zähler.

Nach Angaben des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) vom Dienstag ist es bereits der fünfte Rückgang in Folge. Das Stimmungsbarometer lag zudem erstmals seit langem wieder im negativen Bereich.

Das ZEW führte die Stimmungseintrübung vor allem auf den Industriesektor zurück. So habe die Produktion zuletzt stagniert, die Auftragseingänge seien gesunken. «Auch die vom ZEW befragten Finanzmarktexperten gehen nun offenbar nicht davon aus, dass es im nächsten halben Jahr zu einer weiteren Verbesserung der Kapazitätsauslastung in Deutschland kommen wird.»

Auslaufende Konjunkturprogramme und Nachwirkungen der Krise dürften die exportorientierten Branchen belasten. Nach Ansicht der Commerzbank-Konjunkturexperten drückt auch die anhaltende Furcht vor einem Rückfall der USA in die Rezession auf die Stimmung. Diese Risiken für den deutschen Export haben die Erwartungen der Finanzmarktexperten dem ZEW zufolge eingetrübt. «Die Gefahr eines erneuten Konjunktureinbruchs ist für Deutschland allerdings nach wie vor gering», unterstrich ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Das ZEW befragt monatlich rund 300 Finanzmarktexperten, darunter professionelle Anleger und Analysten.

Volkswirte schließen aus dem ZEW-Minus denn auch auf ein moderateres Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft in nächster Zeit. Ein abruptes Ende des Konjunkturaufschwungs gilt nach wie vor bei den meisten als äußerst unwahrscheinlich. So hellte sich die konjunkturelle Lage nach den ZEW-Daten abermals kräftig auf. Der entsprechende Index stieg im September um 15,6 Punkte auf 59,9 Zähler, der höchste Stand seit Januar 2008. Als Stützpfeiler der Konjunktur werden von den Ökonomen auch die robusten Auftragsbestände und eine stärkere heimische Nachfrage genannt.

Die EU-Kommission sieht eine drastische Erholung der deutschen Wirtschaft. Sie erwartet für dieses Jahr nunmehr ein Wachstum von 3,4 Prozent und verdreifachte damit nahezu die Prognose vom Frühjahr, wie sie am Vortag berichtete. Auch der von der Krise besonders hart getroffene deutsche Maschinenbau hatte seine Produktionsprognose nach oben geschraubt. Für 2010 wird ein Plus von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet - allerdings kommt der Maschinenbau gerade aus einem tiefen Tal.

In der Eurozone stellt sich das Bild dem ZEW zufolge ähnlich wie in Deutschland dar: So gaben die Konjunkturerwartungen für den Währungsraum spürbar um 11,4 Punkte auf 4,4 Zähler nach. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im September verbesserte sich hingegen um 6,7 Punkte auf minus 6,3 Punkte.