New York (dpa) - Der Aufstieg in den exklusivsten Tennis-Club zog Rafael Nadal die Beine weg: Sekundenlang lag der Spanier nach seinem ersten US-Open-Triumph im verschwitzten schwarzen T-Shirt auf dem blauen Hartplatz im Arthur-Ashe-Stadium.

Mit geschlossenen Augen genoss der Weltranglisten-Erste die ohrenbetäubenden Ovationen der 23 771 Fans und das fantastische Gefühl, als erst siebter Spieler bei allen vier Grand-Slam-Turnieren triumphiert zu haben.

«Das ist ein Traum für mich. Ich habe mein ganzes Leben hart gearbeitet, aber ich hätte mir niemals vorstellen können, alle vier Grand Slams zu gewinnen», sagte Nadal. Sein unterlegener Finalgegner Novak Djokovic traut dem 24-Jährigen sogar zu, der beste Spieler der Tennis-Geschichte zu werden. Doch davon wollte Nadal nach dem 6:4, 5:7, 6:4, 6:2-Erfolg nichts hören. «Es ist schwer zu sagen, wer der Beste der Geschichte ist. Rod Laver hat zweimal den Grand Slam gewonnen, obwohl er die Turniere einige Jahre lang nicht gespielt hat», sagte Nadal der Nachrichtenagentur dpa in New York.

Laver gelang 1969 als bislang letztem Spieler das Kunststück, die vier großen Turniere im selben Jahr zu gewinnen. Steffi Graf schaffte dies 1988 und holte in Seoul noch Olympia-Gold. Nadal erklomm 2008 in Peking den Olymp und war auch schon Davis-Cup-Sieger mit Spanien. Nur Björn Borg war bei seinem neunten Grand-Slam-Titel jünger, doch insgesamt liegt Nadal noch weit hinter dem entthronten Branchen-Primus Roger Federer. Der Schweizer Rekordhalter feierte Ende Januar bei den Australian Open seinen 16. Triumph, danach räumte Nadal ab. «Das Gerede, ob ich besser oder schlechter als er bin, ist dumm, weil die Titel sagen, dass er viel besser ist als ich», betonte er.

Doch Nadal ist gelungen, was Größen wie Borg, Pete Sampras, Jimmy Connors, John McEnroe oder Ivan Lendl verwehrt blieb: die vier begehrtesten Tennis-Trophäen der Welt in die Luft stemmen zu dürfen. Bisher schafften dies nur die Vorkriegs-Legenden Fred Perry und Donald Budge, die Australier Laver und Roy Emerson in den 60er Jahren, Andre Agassi sowie Federer, der vorigen Juni endlich den ersehnten French-Open-Erfolg feierte. Federers echten Grand Slam in einem Kalenderjahr hatte Nadal zuletzt 2007 in Paris verhindert.

Der Sandplatzkönig besiegte im achten Anlauf endlich den Fluch der lange verhassten Courts von Flushing Meadows und gewann als Erster seit Laver 1969 nacheinander in Paris, Wimbledon und New York. «Der Sieg ist mehr, als ich jemals zu träumen gewagt habe. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich habe mein bestes US-Open-Match im wichtigsten Moment gespielt», meinte Nadal nach dem hochklassigen Finale über 3:42 Stunden. Das auf Montag verschobene Endspiel war im zweiten Satz wegen Regens für fast zwei Stunden unterbrochen.

Der neue Weltranglisten-Zweite Djokovic, der Federer im Halbfinale besiegte und auf Platz drei verdrängte, überschüttete den Sieger mit Lob. «Er hat das Spiel für jeden Untergrund, und er hat jetzt auf jedem Belag gewonnen. Rafa hat bewiesen, dass er derzeit der Beste der Welt ist», meinte Djokovic und befand: «Er hat schon jetzt die Fähigkeiten, der beste Spieler überhaupt zu werden.»