Brüssel (dpa) - Sami Khedira fühlt sich gerüstet für die doppelte Herausforderung. Den Zweikampf mit Alphatier Michael Ballack hat der Neu-Madrilene längst angenommen, und auch die kritischen Töne von Real-Coach José Mourinho können den 23-Jährigen nicht schocken.

«Man muss sich im Fußball immer neu beweisen. Egal, in welchen Situationen man ist», verkündete Khedira vor dem Auftakt der EM-Qualifikation in Belgien, bei dem für den Ex-Stuttgarter eine herausragende Rolle vorgesehen ist.

Wie schon in Südafrika soll Khedira gemeinsam mit dem Münchner Bastian Schweinsteiger jene Schlüsselposition im Mittelfeld ausfüllen, die vor ihm der ehemalige Leitwolf Ballack innehatte. Nach hinten organisieren und Lücken schließen, nach vorne dirigieren und torgefährlich werden: Khedira weiß um seine anspruchsvolle Aufgabe im Zentrum der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. «Die Leute erwarten wieder einiges nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft.»

Und sie erwarten einiges von Khedira, für den Ballacks Verletzungspech bei der WM zur großen Chance wurde. «Ich bin als Herausforderer in die WM gegangen und als Stammspieler zurückgekommen - nicht durch Glück, sondern weil ich Leistung gezeigt und das in mich gesetzte Vertrauen zurückgezahlt habe», betonte Khedira mit viel neuem Selbstbewusstsein im Fachblatt «kicker».

Dass ihm nun der 98-malige Nationalspieler und Kapitän Ballack als Kontrahent und Herausforderer um die Sechser-Position im DFB-Team im Nacken sitzt, ist für den Jungstar von untergeordneter Bedeutung. Dabei war diese Konstellation noch vor drei Monaten, als Ballacks WM- Aus als nationale Katastrophe eingestuft worden war und Khedira als riskante Alternative galt, fast unvorstellbar.

«Es gibt auch noch andere hervorragende Mittelfeldspieler in Deutschland. Ich schaue nicht auf andere, ich schaue auf mich», sagte jetzt Khedira, der im DFB-Team keinen Zentimeter seines errungenen Terrains wieder abgeben will und lieber weiter an seinen Fähigkeiten arbeiten möchte: «Wenn man sich zu sicher ist und abschaltet, ist es schon der erste Schritt in die verkehrte Richtung.»

Bei Real und seinem Clubcoach Mourinho, der den Neu-Spaniern Khedira und Mesut Özil mangelnde Integration vorwarf, muss sich der tunesisch-stämmige Profi seinen Status erst noch hart erkämpfen. «Ich habe bisher in dieser Saison erst ein Spiel über 90 Minuten gemacht, ich muss jetzt möglichst schnell meinen Rhythmus finden.»