Frankfurt/Main (dpa) - 54 Tage nach dem Triumph in Südafrika startet Weltmeister Spanien mit breiter Brust in das Unternehmen EM- Titelverteidigung, die gedemütigten WM-Verlierer Frankreich und Italien suchen zum Aufgalopp der Qualifikation einen Neuanfang.

Die «Grande Nation» setzt im Kampf um eines von zehn Direkt-Tickets für die Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine auf den neuen Coach Laurent Blanc, die «Squadra Azzurra» auf den zurückgeholten Torjäger Antonio Cassano.

Der beim WM-Debakel von Marcello Lippi verschmähte Stürmer soll den tief gefallenen Weltmeister von 2006 am Freitag gegen Estland zum ersten Erfolg in diesem Jahr schießen. «Jetzt müssen Siege her. Wir müssen gewinnen», forderte Mittelfeldstar Andrea Pirlo vor dem Gastspiel in Tallinn.

Pirlo ist einer von nur noch zwei Weltmeistern im Aufgebot des neuen Trainers Cesare Prandelli. Das Debüt des Lippi-Nachfolgers ging beim 0:1 gegen die Elfenbeinküste zwar daneben, Pirlo ist sich aber sicher, dass unter dem neuen Coach die Wende gelingt: «Prandelli war bislang mit allen Teams erfolgreich. So wird das auch mit der Nationalelf sein.»

Auch die «Equipe tricolore» wird sich gegen Weißrussland mit einem neuen Gesicht präsentieren. Nach dem desaströsen Auftritt am Kap berief Blanc aber immerhin noch neun WM-Fahrer in seinen Kader. «Es ist eine gute Sache, eine junge Mannschaft zu haben, aber es langt nicht, um auf höchstem Level wettbewerbsfähig zu sein. Wir haben versucht, die richtige Mischung aus talentierten Jungs und erfahreneren Spielern, die sie führen können, zu finden», begründete Blanc seine Auswahl. Moralische Unterstützung gab es von Zinedine Zidane, der das Team am Mittwoch bei einem Besuch im Trainingscamp auf den Neubeginn einschwor.

Unter Druck steht Englands Coach Fabio Capello, der sich nach der 1:4-Schmach im WM-Achtelfinale gegen Deutschland nur mit Mühe im Amt halten konnte. «Ich bin ein Kämpfer», erklärte der viel gescholtene Italiener vor dem Qualifikationsstart gegen Bulgarien trotzig. Anders als Frankreich und Italien setzt Capello vorwiegend auf das alte Personal, muss allerdings auf die verletzten Rio Ferdinand, John Terry, Frank Lampard und Peter Crouch verzichten. Angreifer Theo Walcott verkündete dennoch: «Wir haben fantastische Spieler und einen enormen Glauben an uns.»

Dies trifft noch viel mehr auf Titelverteidiger Spanien zu, der dem Auftakt in Liechtenstein gelassen entgegensieht. Trotz der großen Erfolge betrachten die Iberer die Qualifikation für das Turnier vom 8. Juni bis 1. Juli 2012 nicht als Selbstläufer. «Der WM-Titel ist Geschichte. Wir müssen wieder hart arbeiten und dürfen nicht glauben, dass wir unschlagbar sind», warnte Mittelfeldspieler Sergio Busquets. Mit Ausnahme der verletzten Carles Puyol und Raul Albiol hat Trainer Vicente del Bosque alle WM-Helden an Bord.