Berlin (dpa) - Im Atomstreit drückt die Regierung aufs Tempo: Die Koalitionsspitzen wollen schon an diesem Sonntag den Streit um längere Laufzeiten der Kernkraftwerke entscheiden. Im Gespräch ist ein Zeitraum von 10 bis 15 Jahren.

Auch soll geklärt werden, wie viel die Stromkonzerne für längere Laufzeiten bezahlen müssen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa könnte die Brennelementesteuer zeitlich befristet werden. Unklar ist, ob die Konzerne eine mehrjährige Frist bekommen, um ihre Reaktoren mit Milliardenbeträgen zum Schutz gegen Flugzeugabstürze und Terrorangriffe nachzurüsten.

Inzwischen liegt auch die abschließende Bewertung von Justiz- und Innenministerium vor, ob die Regierung bei der Verlängerung der Laufzeiten den Bundesrat umgehen kann. Die beiden Häuser seien zu dem Schluss gekommen, dass dies bei einer Verlängerung von «nicht mehr als 10 Jahren» möglich sei, hieß es in Koalitionskreisen. Das Energiekonzept der Regierung soll am 28. September fertig sein.

An dem Spitzentreffen am Sonntagnachmittag im Kanzleramt nehmen neben CDU-Chefin Merkel auch die zwei Parteivorsitzenden von FDP und CSU, Guido Westerwelle und Horst Seehofer, teil. Dazu kommen Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU), seine FDP-Kollegin Birgit Homburger und CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich.

Bis zum Sonntag sollen Finanzminister Wolfgang Schäuble, Umweltminister Norbert Röttgen (beide CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die noch strittigen Fragen klären. Diese Runde beriet am Donnerstag erneut mit Merkel.

Nach Auffassung von SPD und Deutscher Umwelthilfe (DUH) versucht die Regierung, die Bürger in der Frage erhöhter Sicherheitsauflagen für die Atomkraftwerke zu täuschen. Nach dpa-Informationen wird derzeit über Fristen für die Nachrüstung von fünf bis sieben Jahren diskutiert.

Die SPD warf der Regierung ein Spiel mit der Sicherheit zugunsten der Energiekonzerne vor: «Das ist der Versuch, den ältesten Kraftwerken noch einmal eine lange Schonfrist zu geben», sagte Fraktionsvize Ulrich Kelber. Die Atomkonzerne könnten bei jahrelangen Fristen mit «Schrottmeilern» zunächst weiter Milliarden verdienen.