Frankfurt/Main (dpa) - Spielmanipulationen und Korruption will die Deutsche Fußball Liga (DFL) künftig mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog im Keim ersticken.

Zusammen mit der Organisation Transparency International Deutschland hat der Dachverband der 36 Profivereine das Projekt «Transparenz und Integrität» gestartet. «Wir tun dies als erste Liga in Europa», sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bei einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main, betonte aber auch: «Wir tun dies aber nicht, weil die Liga besonders gefährdet wäre.»

Noch nicht mit im Boot ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit seinen 6,7 Millionen Mitgliedern, er wurde aber von der DFL informiert. Transparency-Vorstandsmitglied Sylvia Schenk lobte: «Wir haben das Gefühl, bei der DFL ist richtig Power dahinter. Da kann eine Menge angestoßen werden, auch über den Sport hinaus.» Für ein Pilotprojekt soll ein Bundesliga-Club gewonnen werden.

Erst Anfang der Woche war der frühere Osnabrücker Profi Marcel Schuon im Wettskandal vom DFB für 33 Monate gesperrt worden. Seifert sieht bei Spielmanipulationen jedoch eher die unteren Klassen gefährdet: «Der normale Bundesliga-Profi dürfte ökonomisch nicht angreifbar sein.» Einen Bestechungsskandal wie in der spanischen Primera Division um Aufsteiger Hercules Alicante hält er in der deutschen Eliteliga nicht für möglich.

Man sei aber angesichts eines Wettmarktes in China mit allein 50 Milliarden US-Dollar Umsatz (39,4 Milliarden Euro) pro Jahr nicht so blauäugig, zu glauben, dass es nicht zu Versuchen von Wettmanipulationen komme. «Wir müssen bei diesem Thema dieselbe Konsequenz an den Tag legen wie bei der Doping-Bekämpfung», forderte Seifert.

Mit der Prävention will die DFL vor allem im Jugendbereich ansetzen: Alleine 5000 Talente werden in den Bundesliga- Nachwuchszentren ausgebildet. Hier ist ein konkretes Schulungsprogramm geplant. Weitere Maßnahmen sind die Erstellung eines Grundkodex und eines Handouts. Eingeführt werden soll ein Helpdesk mit einem Ansprechpartner bei Verdachtsfällen. In Zusammenarbeit mit dem Vereinigung deutscher Vertragsfußballspieler (VdV), bei dem über 1300 Profis organisiert sind, sollen auch die Musterarbeitsverträge mit entsprechenden Verpflichtungen geändert werden.

Beratung von Transparency erhofft sich die DFL auch bei der oft umstrittenen Verteilung von VIP-Tickets für Fußball-Spiele. «Da herrscht momentan Komplettverwirrung», sagte Seifert. Das Thema hatte vor allem nach der WM 2006 diverse Gerichte beschäftigt. Nach wie vor ist oft unklar, unter welchen Bedingungen und in welchem Ausmaß Politiker und Geschäftsleute eingeladen werden dürfen. Auch Schenk sprach von einer «unklaren Rechtssituation».