Brüssel (dpa) - Glücklich wirkt er nicht, aber Philipp Lahm steckt Joachims Löws Kapitäns-Votum pro Michael Ballack professionell weg. «Es geht nicht um enttäuscht oder nicht enttäuscht», verkündete der Abwehrspieler des FC Bayern München mit ernster Miene.

«Diese Entscheidungen müssen immer akzeptiert werden und das werden sie auch. Das lernt man von klein auf im Fußball-Geschäft», fügte er am Tag vor dem EM-Qualifikations-Auftakt in Brüssel gegen Belgien bei seinem ersten öffentlichen Kommentar hinzu.

Als WM-Kapitän hatte der 26-jährige Lahm in Südafrika großen Spaß an Ballacks Job gefunden und noch während des Turniers den Anspruch erhoben, die Binde dauerhaft behalten zu wollen. Doch Löw entschied anders, und Lahm bleibt nur die Vertreter-Rolle, wenn Ballack wie beim Start in Belgien fehlt. «Für mich ändert sich nichts», versicherte Lahm im Teamquartier in La Hulpe: «Auf dem Platz müssen mehrere Spieler Verantwortung übernehmen, dazu gehöre ich mit über 70 Länderspielen garantiert auch.»

Mit Stolz wird er in seiner 72. Partie für Deutschland zum zwölften Mal die schwarz-rot-goldene Spielführer-Binde überstreifen. «Es sind wieder zwei Spiele, wo ich die Mannschaft aufs Feld führen darf. Und darauf freue ich mich.» Es sei für ihn stets «eine Ehre».

Lahm richtet den Blick nach dem Dämpfer im Binden-Streit mit Ballack nach vorn. «Es geht jetzt darum, die Mannschaft weiter zu führen», sagte er. Die Uhr tickt sowieso für ihn. Ballack ist 33, wäre beim EM-Turnier 2012 bereits 35 und muss zudem erst einmal wieder in Topform kommen.

Diese Ansage von Löw war den Nationalspielern besonders wichtig, wie Ballacks sportlicher Konkurrent Sami Khedira erkennen ließ. «Der Trainer hat auch ganz klar angesprochen, dass das Leistungsprinzip Priorität hat», berichtete der zu Real Madrid gewechselte Profi. Für ihn war es darum nicht schwer, Löws Kapitäns-Votum anzuerkennen.

«Für mich persönlich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Michael Ballack Kapitän bleibt.» Damit könne jeder leben, zudem das Team ohnehin nicht gespalten sei, wie er versicherte: «Die Mannschaft ist immer als Einheit aufgetreten.» Eine «Fraktionsbildung» pro Ballack oder Lahm gab es nicht.