Berlin (dpa) - 3D im Wohnzimmer, Online-Video im TV und jede Menge Design: Die IFA-Besucher bekommen ab Freitag Visionen für die Zukunft des Fernsehens aufgetischt.

Das Angebot der 1423 Aussteller aus 74 Ländern erstreckt sich über die gesamte Unterhaltungselektronik und umfasst auch Kommunikationstechnik sowie Haushaltsgeräte.

Allerdings werden viele Messeneuheiten für Verbraucher zunächst Zukunftsmusik bleiben, denn es mangelt noch an entsprechenden Geräten und Inhalten. 3D-Fernseher sind auf der IFA bei allen großen Herstellern zu sehen - entsprechende Inhalte gibt es jedoch kaum. Der Bezahlsender Sky will in Deutschland den Anfang machen und strahlt Teile seines Programms ab Oktober auch dreidimensional aus. Der neue «Eventkanal», der die 3D-Bilder senden wird, soll über Satellit sowie im Netz von Kabel Baden-Württemberg zu empfangen sein, kündigte Sky zum IFA-Start an. Mit anderen Anbietern wie Kabel Deutschland werde verhandelt, sagte ein Sprecher.

Bis Ende des Jahres soll das 3D-Angebot für Sky-Kunden kostenlos bleiben. Was es danach kostet, soll im vierten Quartal mitgeteilt werden. Die Industrie hofft, dass zum Jahresende mehr als 100 000 3D- taugliche Fernseher in deutschen Haushalten stehen werden. Seit Jahresbeginn wurden rund 40 000 solcher Geräte verkauft.

Neben 3D-TV kommt auch das sogenannte Hybrid-Fernsehen zur IFA in Fahrt. Der neue europäische Standard HbbTV soll Fernsehübertragungen mit Internet-Inhalten verschmelzen. Die ARD bietet bereits einen HbbTV-Dienst an, zur IFA kommen das ZDF, die Sendergruppe ProSiebenSat.1 und RTL dazu. Auch hier mangelt es bisher an entsprechenden Geräten, die Hersteller versprechen jedoch schnelle Abhilfe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief zur offiziellen IFA- Eröffnung am Abend die Unternehmen zu einem «langen Atem» bei der Entwicklung neuer Produkte auf. «Die Finanzmärkte sind wichtig, aber sie dürfen nicht die alleinigen Treiber wirtschaftlicher Entwicklung sein», sagte Merkel. Die «Realwirtschaft» müsse deutlicher auftreten und ihre Interessen vertreten. «Sie können bestimmte Dinge nicht entwickeln, wenn sie nicht ein Stück weit den langen Atem haben.»

Während sich die erwarteten 230 000 Besucher bis Mittwoch durch die Hallen schieben, brummt hinter den Kulissen das Geschäft. Denn bei der Funkausstellung wird traditionell für das wichtige Weihnachtsgeschäft geordert. Im vergangenen Jahr gab es Rekordaufträge für mehr als drei Milliarden Euro.