Mailand/München (dpa) - Nach dem Rücktritt des Vorstandschefs der italienischen Großbank UniCredit, Alessandro Profumo, kommt einem deutschen Banker bei der Nachfolgesuche eine Schlüsselrolle zu.

Der UniCredit-Verwaltungsratschef Dieter Rampl - früherer Chef der heutigen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank - soll die Bank führen, bis ein neuer Vorstandsvorsitzender für das Mailänder Institut gefunden ist. Der gebürtige Münchner hatte als Vorstandschef 2005 den Verkauf der ehemals zweitgrößten deutschen Bank an die Italiener mit eingefädelt.

Profumo war am Dienstagabend von seinem Amt zurückgetreten, wie die Bank mitteilte. Der 53-jährige Top-Banker war wegen des umstrittenen verstärkten Engagements Libyens bei Unicredit in die Kritik geraten. Medienberichten zufolge erhielt das ehemalige Wunderkind der Banken eine Abfindung von 40 Millionen Euro. Dem 63-jährigen Rampl wurde das Mandat übertragen, in den nächsten Wochen nach einem Nachfolger für Profumo zu suchen und diesen vorzuschlagen.

«Der UniCredit-Aufsichtsrat und Alessandro Profumo stimmen darin überein, (...) dass nach 15 Jahren der Moment für einen Wechsel an der Spitze der Gruppe gekommen ist», heißt es in der Erklärung, die nach der viereinhalbstündigen Aufsichtsratssitzung in den frühen Morgenstunden am Mittwoch in Mailand veröffentlicht wurde.

An der Strategie der Bank werde sich auch nach dem Wechsel an der Spitze nichts ändern, heißt es aus Finanzkreisen am Mittwoch. Auch eine Vorfestlegung auf einen möglichen Nachfolger gebe es demnach nicht, es werde sowohl innerhalb des Konzerns, aber auch extern nach einem Kandidaten gesucht. Eine Stellungnahme zu der Suche und zu Spekulationen über mögliche Namen gab es zunächst nicht. Auch die Münchner Tochter HypoVereinsbank wollte sich nicht zu der Personalie äußern. Rampl war nach der Übernahme durch die UniCredit an die Spitze des Verwaltungsrates gewechselt.

Der Rücktritt Profumos schlug auch in Italien Wellen. Dass mit Rampl nun ein Deutscher die Bank führen soll, passt vielen Politikern, die bis gestern noch gegen Profumo protestiert hatten, nicht in den Kram.

Es brauche Aktion und Intelligenz, um zu vermeiden, dass sich «die Deutschen die ganze Bank unter den Nagel reißen», tönte Umberto Bossi, Chef der rechtspopulistischen und ausländerfeindlichen Regierungspartei «Lega Nord», am Mittwoch. Bis Dienstagabend hatten vor allem seine Parteigenossen noch gegen Profumos «libysche Connection» mobil gemacht. Die ausländerfeindliche Partei befürchtete eine zu starke Einflussnahme des nordafrikanischen Staatschefs.