Bremen (dpa) - Die Aussprache ließ nicht lange auf sich warten und wurde sogar zur Standpauke. Nur zwölf Stunden nach dem 1:4-Debakel bei Hannover 96 lasen Clubchef Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf den Fußball-Profis von Werder Bremen die Leviten.

«Wenn man zweimal so verliert, muss man sich Gedanken machen», sagte Allofs nach der Krisensitzung, die Kapitän Torsten Frings unmittelbar nach der Klatsche bei 96 gefordert hatte: «Darüber müssen wir dringend reden.»

Schaaf und Allofs fackelten angesichts der zweiten überraschenden Pleite des Champions-League-Teilnehmers binnen vier Tagen nicht lange und baten die Profis um 9.32 Uhr zum Gespräch. Als Allofs um 10.51 Uhr mit seinen Ausführungen fertig war, wollte er sich zum Inhalt nicht äußern. «Klar ist aber, dass der Anteil der Rede von mir und dem Trainer größer war als der der Spieler», sagte der Manager, dem auch das 0:2 vom 18. September gegen Mainz noch aufstieß.

«Wir müssen jetzt Reaktion zeigen, wir müssen wieder besser werden», forderte Allofs vor dem Bundesliga-Derby am 25. September gegen den Hamburger SV. Konsequenzen soll es trotz bislang erst vier Punkten aus fünf Spielen vorerst nicht geben. «Es gibt keinen Grund, in Panik und Aktionismus zu verfallen», sagte Allofs, der die Mannschaft als stark genug ansieht, um den Weg aus der Krise zu finden. «Wir haben das Potenzial in der Mannschaft und wir werden auch besser, wenn die anderen zurück kehren.»

Die zuletzt verletzten Per Mertesacker und Claudio Pizarro sollen gegen den HSV wieder mit von der Partie sein. Ihr Einsatz wird auch bitter nötig sein, befand der Clubchef. «Der HSV hat noch andere Qualitäten als Mainz und Hannover», warnte Allofs. Auf den am Knie lädierten Naldo muss Werder aber noch mindestens vier Wochen warten.

Frings hatte in Hannover noch eindringlich Teile der Mannschaft an den Pranger gestellt. «Einige Spieler nehmen sich zu wichtig, bei denen steht nicht die Mannschaft im Vordergrund», klagte Frings. Mit nahezu ausdruckslosem Gesicht und schon erschreckender Offenheit schlug der Werder-Anführer nach der dritten Saison-Pleite Alarm und den Egoismus einiger Kollegen gerügt. Allofs widersprach seinem Kapitän jedoch und nahm Frings mit ins Boot: «Das würde ich so nicht sagen. Ich finde, die ganze Mannschaft ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt.»

Werder steckt in einer nicht zu übersehenden Krise. Das Team zerfiel in Hannover in seine Einzelteile. 96-Verteidiger Karim Haggui hatte völlig recht, als er anmerkte: «Die Bremer hätten auch sechs Tore kriegen können.» Die Bremer sahen fast teilnahmslos zu, wie die eifrigen Hannoveraner den zuletzt übermächtigen Nachbarn im Nord- Derby auseinandernahmen und dabei kaum auf Widerstand trafen. «Wir wehren uns nicht und lassen alles über uns ergehen», wetterte Frings, der per Elfmeter (36.) das einzige Werder-Tor geschossen hatte.