Frankfurt/Main (dpa) - Der Alptraum Doping hat auch das deutsche Tischtennis erreicht. Wenige Tage nach dem Triumphzug von Rekord-Europameister Timo Boll bei der EM in Ostrau wirft ein positiver Test bei seinem Teamkollegen Dimitrij Ovtcharov einen großen Schatten auf die Sportart.

Der vierfache Team-Europameister wurde vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) mit sofortiger Wirkung suspendiert. Bei dem 22-jährigen Nationalspieler war bei einer Kontrolle am 23. August die verbotene Substanz Clenbuterol in der A-Probe nachgewiesen worden. Das Mittel soll unter anderem die Schnellkraft verbessern können.

Der Weltranglisten-13. bestreitet vehement den Vorwurf, ein Doping-Sünder zu sein. «Ich bin schockiert und beschwöre öffentlich, dass ich noch nie in meinem Leben eine verbotene Substanz zu mir genommen habe», ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Seine Team- Kollegen halten zu dem gebürtigen Ukrainer, der seit seinem dritten Lebensjahr mit seinen Eltern in Deutschland lebt.

«Ich kann das gar nicht glauben. Ich hoffe für Dima, dass sich seine Unschuld herausstellt», erklärte der Weltranglisten-Zweite Boll. Er und Ovtcharov sind miteinander befreundet, Ovtcharov übernachtet vor größeren Turnieren öfters im Haus des Top-Stars in Höchst/Odenwald. Der Fall ist in Deutschland einmalig, auch beim Weltverband ITTF sind keine Doping-Fälle im vergleichbaren Ausmaß bekannt.

Ovtcharov will seine Unschuld beweisen und die Öffnung der B-Probe beantragen. Das sagte sein Anwalt Michael Lehner der Zeitung «Die Welt». Der Anwalt rechnet mit einem positiven Ausgang des Verfahrens. «Wir arbeiten dran mit dem klaren Ziel des Freispruches, nicht mit einer Milderung der Strafe», sagte Lehner.

Sollte sich die positive Doping-Probe bestätigen, droht dem Profi eine zweijährige Sperre. Ein Verlust der EM-Goldmedaille für die DTTB-Auswahl ist laut Verbandspräsident Thomas Weikert aber kein Thema. «Es handelt sich hier um eine Trainingskontrolle vor Beginn des EM-Turniers und nicht um eine Kontrolle während des Wettkampfes. Deswegen ist eine Aberkennung des Titels nicht möglich», erklärte der Jurist. Die ITTF habe ihm diese Rechtsauffassung bereits bestätigt.

«Ich bin total überrascht und geschockt. Wir waren bisher davon ausgegangen, dass Tischtennis keine Probleme mit Doping hat. Die Situation überfordert uns alle», erklärte Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf der Nachrichtenagentur dpa. Der DTTB hat die Suspendierung der ITTF und der Europäischen Tischtennis-Union (ETTU) mitgeteilt. Der Verband wartet darauf, dass Ovtcharov, der für den russischen Verein Orenburg spielt, bei der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) die Öffnung der B-Probe beantragt.