Singapur (dpa) - Fünf Kandidaten, fünf Rennen - aber am Ende nur ein Titel: In der Formel-1-Nacht von Singapur muss Sebastian Vettel hellwach sein.

Für das Quintett mit dem Vizechampion aus Heppenheim, seinem Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber, Lewis Hamilton, Fernando Alonso und Jenson Button gilt beim Übersee-Endspurt des wohl spannendsten WM-Kampfes seit 60 Jahren: Jeder Fehler ist fatal. Wer am 26. September in der Millionen-Metropole patzt, verspielt möglicherweise schon seine Titelchance. «In der Ruhe liegt die Kraft. Wir schieben keine Panik, sondern arbeiten ganz ruhig weiter», sagte Red-Bull-Pilot Vettel vor dem Flutlicht-Spektakel auf dem Marina Bay Street Circuit gelassen.

Der 23-Jährige hat vor dem 15. von 19 Saisonrennen als Fünfter der Gesamtwertung (163 Punkte) auf den ersten Blick die geringsten Chancen. Der Rückstand zu seinem ungeliebten Teamrivalen und derzeitigen «Königsklassen»-Primus Webber (187 Punkte) beträgt 24 Zähler. Das ist nur ein Klacks, angesichts der 25 Punkte, die es für einen Sieg gibt. «Ich glaube an den Titel, und das ist entscheidend», sagt Vettel selbstbewusst.

Noch sind 125 Punkte zu vergeben. Theoretisch können sich sogar noch acht Fahrer Titelchancen ausrechnen. Ernsthaft in Frage kommen aber nur die ersten Fünf: Zwischen Webber und Vettel lauern noch McLaren-Pilot Hamilton (182), Alonso (166) im Ferrari und Titelverteidiger Button (165) im zweiten McLaren. Mann der Stunde ist der zweimalige Champion Alonso. Nicht nur wegen seines Sieges in der Ferrari-Heimat Monza. Der kompromisslose Spanier holte in den vergangenen vier Rennen auch die meisten Punkte.

Dennoch sieht sich Red Bull für die letzten fünf Saisonrennen - alle fernab des Formel-1-Kernmarktes Europa - bestens aufgestellt. Vor allem auf der 5,073 Kilometer langen Stadtstrecke in Singapur mit ihren 23 engen Kurven. «Es ist ein Kurs, bei dem viel Abtrieb gebraucht wird, was unserem Auto entgegenkommen sollte», sagte der Australier Webber.

Angesichts des sich zuspitzenden Titelrennens geht fast unter, dass Nick Heidfeld in Singapur sein Grand-Prix-Comeback gibt. Für die letzten fünf Läufe in diesem Jahr kehrt der 33-jährige Mönchengladbacher hinter das Steuer eines Saubers zurück - für ihn auch eine Bewerbungstour für einen Vertrag im nächsten Jahr. «Ich kann es kaum noch abwarten, wieder im Rennauto zu sitzen», sagte der Ersatzmann für den geschassten Spanier Pedro de la Rosa.

Heidfeld hatte in diesem Jahr als Mercedes-Ersatzfahrer und dann als Testpilot für Reifenhersteller Pirelli gearbeitet. Mit seiner Rückkehr wird die deutsche Fahrergemeinschaft auf sieben Mitglieder erweitert - ein Novum in der Formel 1.