Hamburg/Los Angeles (dpa) - Was Bestsellerautorin Cornelia Funke am meisten in ihrer Wahlheimat Kalifornien vermisst? Die deutsche Sprache - und das Frühstück.

Auf beides muss sie in den nächsten Tagen nicht verzichten: Funke geht an diesem Donnerstag mit ihrem Roman «Reckless» auf Lesereise durch Deutschland. Sprechen wird sie da mehr als genug - und sie freut sich schon, dass sie sich «bestimmt aufs Furchtbarste über jedes Hotel-Frühstücksbuffet hermachen» wird.

Vor fünf Jahren ist die heute 51-Jährige aus Hamburg nach Los Angeles gezogen. Vor allem nach dem weltweiten Erfolg ihrer «Tintenherz»-Trilogie gilt sie als Deutschlands erfolgreichster Literaturexport. Auch «Reckless» steht jetzt, wenige Tage nach Erscheinen, wieder in den Bestsellerlisten.

«Reckless» erzählt von zwei ungleichen Brüdern, von denen der eine auszog, den anderen zu retten - in einer Welt hinter dem Spiegel, in der die Märchen der Gebrüder Grimm Wirklichkeit sind.

Gemeinsam mit dem Schauspieler Rainer Strecker, der schon Hörbuchsprecher und Lesebegleiter bei «Tintenherz» war, liest Funke nun zum Auftakt im Hamburger Schauspielhaus. «Ich freue ich mich natürlich besonders auf die Menschen, aber auch auf die Orte, an denen die Lesungen stattfinden», sagt Funke. «Da sind schon ein paar magische Bühnen dabei. Und es wird wunderbar, mit Rainer Strecker wieder in meiner Muttersprache zu lesen.» Die seit langem ausverkaufte Auftaktlesung können Fans auch live auf der «Reckless»- Internetseite verfolgen.

Dass sie mit «Reckless» ein Buch geschrieben hat, das mit Motiven der Märchen arbeitet, mit denen sie aufgewachsen ist, ist für Funke kein Zufall. «Das Leben in Kalifornien hat mir meine eigenen Wurzeln und die Qualitäten meiner Muttersprache deutlicher gemacht, als es je ein Leben in Europa hätte tun können», sagt sie. «Wenn man Abstand zu etwas hat, kann man es auf ganz andere Weise sehen und so viel besser mit anderen Wirklichkeiten vergleichen.»

Ebenso wie der in Großbritannien geborene Filmemacher Lionel Wigram, mit dem sie an «Reckless» gearbeitet hat, sei sie sich ihrer europäischen Wurzeln sehr bewusst. «Wir reisen beide sehr regelmäßig zwischen unseren beiden Welten - weshalb unsere Geschichte wohl auch in New York beginnt und unsere Helden hinter dem Spiegel eine Welt finden, die sehr dem Europa des späten neunzehnten Jahrhunderts gleicht.»