München (dpa) - Infineon-Chef Peter Bauer sieht den Münchner Halbleiterkonzern nach dem Verkauf seiner Handychipsparte gestärkt. Die verbleibenden drei Bereiche versprächen in den kommenden Jahren deutliches Wachstum und damit stabile Geschäfte, sagte Bauer im Club Wirtschaftspresse in München.

Damit habe das Unternehmen alle Voraussetzungen, stabile und ertragreiche Geschäfte zu machen. Kritik, der Konzern schrumpfe durch den Verkauf ein weiteres Mal, wies Bauer zurück: «Größe ohne Profit nützt nichts.»

Auch deshalb werde sich der Konzern mögliche Übernahmen genau anschauen. Er setze neben Wachstum im eigenen Geschäft zwar auch auf Zukäufe, bekräftigte Bauer. Mögliche Kandidaten müssten aber strikte Kriterien erfüllen und den Wert des Unternehmens dauerhaft stärken. «Wir werden nichts kaufen, was unsere Margenziele wieder runterzieht.» Er sehe sich nicht unter Zeitdruck, es gebe auch keine konkrete Gespräche. «Es ist nichts in der Pipeline», sagte Bauer.

Noch keinen Namen hat der neue Finanzvorstand, den Bauer nach dem Abgang von Marco Schröter suchen muss. Er rechne Anfang kommenden Jahres mit einem Nachfolger. Auch ob Infineon aus den Einnahmen des Spartenverkaufs eine Dividende oder eine Sonderausschüttung zahlen wird, sei noch nicht entschieden. Infineon legt am 16. November die Zahlen für das am 30. September endende Geschäftsjahr vor.

Bauer ist seit der Ausgliederung des Unternehmens 1999 aus dem Siemens-Konzern an Bord. Seit 2008 steht er an der Spitze und hat bereits viele schwere Jahre erlebt. Einen Überschuss auf Jahresbasis erwirtschaftete der schlagzeilenträchtige Konzern erst zweimal in seiner Geschichte, die Pleite der Speicherchiptochter Qimonda riss die Mutter beinahe mit in den Abgrund. Nun sieht Bauer den Konzern gut aufgestellt und für die kommenden Jahre gerüstet: «Ich bin eigentlich da, wo ich immer sein wollte», sagte Bauer.

Infineon hatte Ende August den Verkauf der Handychipsparte Wireless Solutions (WLS) an den US-Branchenprimus Intel bekanntgegeben. Das einstige Sorgenkind liefert angesichts des Booms bei Smartphones derzeit glänzende Zahlen. Erst am Dienstagnachmittag schraubt der Konzern - getrieben vor allem von den Umsatzzuwächsen bei WLS - die Prognose für das in gut einer Woche endende Geschäftsjahr zum vierten Mal in Folge nach oben. Bauer verteidigte den 1,1-Milliarden-Euro-Deal: Er rechne nicht damit, dass WLS das Wachstum halten werde. Zudem hätte Infineon angesichts des harten Wettbewerbs auf dem Handymarkt viel Geld in die Entwicklung stecken müssen.