Mainz (dpa) - Lewis Holtby nahm den Spielball einfach mit ins Bett und träumte von neuen Höhenflügen mit Tabellenführer Mainz 05. Den Doppel-Torschützen beim 2:0 gegen den 1. FC Köln schreckt noch nicht einmal die Dienstreise zum Spitzenspiel am 25. September beim FC Bayern München.

«Ich wünschte, das Spiel wäre schon morgen. Ich bin heiß auf die Bayern», meinte der 1,76 Meter große Holtby nach dem ersten Doppelpack seiner Karriere (72./90.+1). Der überraschende Aufschwung der Rheinhessen in der Fußball-Bundesliga geht nach dem fünften Sieg im fünften Spiel weiter - und Holtby hat großen Anteil daran. Der Kleinste im Team feierte wild mit seinen Mitspielern und ließ den Ball nicht mehr los. «Das ist jetzt mein neuer Freund. Der kommt mit ins Bett. Es wird bestimmt eine lange Nacht, weil ich vor lauter Stolz schnell einschlafe», scherzte er.

Kopfballtore des kleinen U 21-Nationalspielers, der für ein Jahr vom FC Schalke 04 ausgeliehen wurde, haben Seltenheitswert, bleiben aber in Erinnerung. «Ich habe mal für Aachens Zweite das 2:1 gegen Uerdingen geköpft», erinnerte sich Holtby. Ausgelassen wie die euphorisierten Zuschauer bejubelten die 05er die - saisonübergreifend - zehnte Partie ohne Niederlage. Holtby posierte neben einer übergroßen «Eins» aus Pappe, filmte das Spektakel auf der Fantribüne und musste zum obligatorischen «Humba» auf den Zaun.

«Für sein Alter ist er sehr bei sich. Er ist eine Bereicherung für uns, sozial und sportlich», lobte Trainer Thomas Tuchel das zweite Juwel im Kader neben André Schürrle. Der 20-Jährige habe aber auch Anpassungsschwierigkeiten gehabt. «Wir trainieren anders, spielen anders», erklärte Tuchel, der Holtbys natürliche Art, Fröhlichkeit und Humor, aber auch seine Professionalität hervorhob. «Er guckt nichts links, nicht rechts, ist fokussiert», sagte der Mainzer Coach.

Ob er ein glückliches Händchen hatte, als er Holtby nach 64 Minuten für Schürrle einwechselte? «Dafür braucht man kein goldenes Händchen. Jeder Trainer der Welt, der die beiden auf der Bank hat, ist verpflichtet, die einzuwechseln. Einen von ihnen in der Hinterhand zu haben, ist einfach ein echtes Brett», meinte Tuchel.

Der 37-Jährige hielt sich auch gegen Köln nicht an irgendwelche Gesetzmäßigkeiten. Fünf Neue rotierte er nach dem 2:0 von Bremen in die Startelf. Auch in München soll der breit aufgestellte Kader das Unmögliche möglich machen. «Wie die Fans müssen sich auch meine Spieler vorstellen können, das da was geht. Wenn du dich gar nicht daran zu denken traust, dann wirst du es nie erreichen», sagte Tuchel.

Tristesse herrscht dagegen wieder einmal beim 1. FC Köln: Lukas Podolski war stinksauer. «Ohne Zweikampf, ohne Laufbereitschaft kann man kein Spiel gewinnen. Wir sind nicht als Mannschaft aufgetreten. Wir müssen für das Spiel gegen Hoffenheim hart arbeiten», sagte der Nationalspieler, der außer einem gefährlichen Freistoß allerdings selbst nichts zu bieten hatte. Trainer Zvonimir Soldo sprach von «billigen» Gegentoren, verhehlte aber nicht den verdienten Mainzer Erfolg. «Die haben viel mehr investiert», meinte der Kroate.