Hannover (dpa) - Die Container-Reederei Hapag-Lloyd hakt die Krise ab und gibt ihre Staatsbürgschaft über 1,2 Milliarden Euro zurück. Der Hapag-Lloyd-Aufsichtsrat habe einer Neuordnung der Finanzierung zugestimmt, teilte der Reisekonzern Tui am Dienstag in Hannover mit.

Das Unternehmen will sich angesichts der wieder besser laufenden Geschäfte nun Geld am Finanzmarkt besorgen. Die Tui war der früheren Tochter, an der sie noch mit 43,3 Prozent beteiligt ist, in der Wirtschaftskrise mit hohen finanziellen Hilfen beigesprungen. Nun winken ihr Rückzahlungen. Hapag-Lloyd will jetzt eine Anleihe platzieren und bei den Banken eine Kreditlinie suchen. Über die Höhe der geplanten Anleihe wurden keine Angaben gemacht, in Medienberichten war zuvor über 500 Millionen Euro spekuliert worden.

Auch ein Verkauf der Hapag-Lloyd-Beteiligung rückt für Tui damit näher. Tui-Chef Michael Frenzel möchte sie möglichst bald abstoßen und stattdessen ins Reisegeschäft investieren.

Als Folge der Neuordnung der Finanzen bei Hapag-Lloyd erwartet Tui im Oktober eine Zahlung von rund 65 Millionen Euro auf gestundete Zinsansprüche. Darüber hinaus werde Hapag-Lloyd wieder in der Lage sein, Zinsen und Tilgungen auf gewährte Finanzhilfen zu leisten. Tui erwarte zudem die kurzfristige Rückzahlung eines Überbrückungskredits von 227 Millionen Euro.

Ein Darlehen von 350 Millionen Euro wird in Eigenkapital der Hapag-Lloyd gewandelt, um damit die Bilanz zu stärken und das Rating zu verbessern. Dadurch wird der Anteil der Tui an Hapag-Lloyd auf 49,8 Prozent steigen. Aber zugleich werden die Voraussetzungen für einen Verkauf verbessert.

Tui hält an der Absicht fest, die Reedereianteile vollständig abzustoßen. Zur Zukunft der Beteiligung betonte der Reisekonzern: «Tui wird unverändert eine bestmögliche Verwertung ihres Investments in Hapag-Lloyd anstreben und weiterhin alle Optionen für einen Ausstieg aus der Containerschifffahrt prüfen.»

Tui kann ihre komplette Beteiligung an Hapag-Lloyd jederzeit an Dritte veräußern. Das Albert-Ballin-Konsortium in Hamburg hat Vorkaufsrechte. Tui habe zudem unverändert das Recht, ihre Beteiligung dem Konsortium anzudienen.