Berlin (dpa) - Nach den hochsommerlichen Klimaanlagen-Ausfällen in ihren Fernzügen hat die Bahn die Wiedergutmachung für hitzegeplagte Fahrgäste so gut wie abgeschlossen.

Insgesamt bekamen rund 27 000 Kunden Entschädigungen im Wert von knapp vier Millionen Euro, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfuhr. Die entsprechenden Anträge sind demnach bis auf wenige Einzelfälle abgearbeitet. An diesem Donnerstag will Vorstandschef Rüdiger Grube weitere Maßnahmen einer «Kunden- und Qualitätsinitiative» vorstellen. Damit will die Bahn die schon im eisigen Winter aufgetretenen Technikprobleme bei ICE-Zügen in den Griff bekommen und bei Störungen klarer informieren.

Während der Hitzewelle Anfang Juli waren binnen weniger Tage bei weit über 30 Grad Klimaanlagen in gut 50 Fernzügen ausgefallen - teils komplett, teils in einzelnen Wagen. In einem dramatischen Fall musste ein ICE in Bielefeld gestoppt werden, in dem mehrere Schüler kollabierten. Pannen gab es vor allem bei älteren ICE der ersten und zweiten Generation. Deren Kühlung bringt nur bei Außentemperaturen bis etwa 32 Grad die volle Leistung. Als Gegenmaßnahme wurden Wagen zeitweise nicht so stark abgekühlt.

Um nach massivem Ärger Vertrauen zurückzugewinnen, hatte der Vorstand entschieden, Reisenden mit Gesundheitsproblemen wegen aufgeheizter Züge 500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Außerdem bekamen diese Hitzeopfer das Anderthalbfache des Fahrpreises als Gutschein zurück, andere Betroffene den halben Preis. Die Entschädigungszahl schwoll stark an: Ende Juli hatten knapp 5700 Kunden Wiedergutmachung im Wert von 374 000 Euro bekommen, Ende August waren es 23 000 Fahrgäste mit Entschädigungen im Wert von 2,7 Millionen Euro.

Nach den Sommerpannen hatte Grube weitere Schritte angekündigt, um das «Brot- und Buttergeschäft» der Bahn im heimischen Schienenverkehr in Ordnung zu bringen. Für die «Kunden- und Qualitätsinitiative» sind demnach auch Investitionen vorgesehen. «Wir sind bereit, Geld in die Hand zu nehmen», signalisierte der Bahnchef vorab. Ein wichtiges Ziel ist, dass die ICE-Technik bei extremem Wetter nicht mehr so anfällig ist. Verbessert werden soll auch die Information der Reisenden bei Störungen. Ansagen auf Bahnhöfen sollen straffer werden, in Fernzügen sollen die Zugchefs häufiger auf englische Durchsagen verzichten.

Die Pläne wollen am Donnerstag auch Bahn-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg und Technikvorstand Volker Kefer näher erläutern. Im November soll eine bis 2013 terminierte Generalüberholung der 44 ICE- 2-Züge beginnen. Dabei wollen die Experten nach bisherigen Angaben prüfen, ob auch Energieversorgung und Klimaanlagen überarbeitet werden sollten. Probleme bereitet den Planern weiterhin, dass wegen zusätzlicher Achs-Überprüfungen kaum ICE-Reservezüge verfügbar sind.