München (dpa) - Seit Jahren gilt sie in der Medienwelt als Maß aller Dinge: die «werberelevante Zielgruppe», Zuschauer und Konsumenten im Alter zwischen 14 und 49 Jahren. Jetzt lehnt Deutschlands bekanntester Fernsehmann sich dagegen auf.

Thomas Gottschalk ist das Gesicht einer neuen Fernsehkampagne des Privatsenders Tele 5, die dafür kämpfen will, ein älteres, anspruchsvolleres Publikum in den Blick zu nehmen. Und dafür hat Gottschalk gute Gründe. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in München spricht er über die Chancen des Qualitätsfernsehens und erklärt, warum er ein älteres Publikum für eine «Goldgrube» hält.

Herr Gottschalk, warum beteiligen Sie sich an der Aktion von Tele 5 gegen die «jugendliche Zielgruppe»?

Thomas Gottschalk: «Das, was ich hier sage, gilt für das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch in verstärkter Form und ich habe denen das auch schon gesagt, bevor Tele 5 mich gefragt hat: Das ZDF sitzt auf einer Goldgrube und anstatt sich darüber zu freuen, lässt man sich sein Publikum madig machen, weil auf eine "werberelevante Zielgruppe" gestarrt wird, die irgendjemand irgendwann erfunden hat. Mich interessieren alle, die zuschauen und für die haben sich die Öffentlich-Rechtlichen erst recht zu interessieren. Es kann nicht sein, dass "Wetten, dass...?" mit knapp zehn Millionen auf dem zweiten Platz landet, während der Kollege Bohlen mit knapp sieben Millionen Spitzenreiter ist - nur weil bei ihm mehr Halbwüchsige vor der Kiste saßen.»

Warum ist denn das so?

Gottschalk: «Weil der geniale Helmut Thoma damals für sein "Tutti Frutti"-Programm zwar genügend pubertierende Zuschauer gehabt hat, aber keine Werbung. Aus diesem Grund wurde die "werberelevante Zielgruppe" erfunden, in der ein 16-Jähriger soviel Wert ist wie drei Rentner. Dass die aber letzten Endes mehr Geld in der Tasche haben, spricht sich erst in letzter Zeit herum. Ich will da auch gar nicht rumjammern, denn zu RTL-Zeiten war ich selber Nutznießer dieser Denke.»

Und heute gehören Sie selber nicht mehr zur «werberelevanten Zielgruppe» und sehen das anders...?