Frankfurt/Main (dpa) - 17 verletzte Polizisten beim Nordderby in Bremen. Über 1300 Polizeibeamte beim Drittliga-Spiel Hansa Rostock - Eintracht Braunschweig, die zum Teil mit Schottersteinen und Glasflaschen beworfen werden: Wer soll dafür bezahlen?

Die Politik drängt immer mehr auf eine Kostenbeteiligung der Profi-Clubs bei Polizeieinsätzen. Und die Fußball-Funktionäre reagieren zunehmend genervt auf die Forderungen. «Das ist Populismus. Ich denke, wir zahlen genügend Steuern», sagte Jörg Schmadtke, Sportdirektor von Hannover 96, in einer dpa-Umfrage.

Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) will davon nichts wissen. «Die Bundesliga schätzt die Arbeit der Polizei außerordentlich und steht für jeden Dialog zur Verfügung. Wir halten diese Forderungen aber für abwegig, zumal es dafür keine rechtliche Grundlage gibt», sagte DFL-Kommunikationsdirektor Christian Pfennig. Immer wieder hatte auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DpolG) verlangt, dass der Fußball bezahlen müsse.

Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU) will Veranstalter von Fußballspielen und auch von Konzerten möglichst bald in die Pflicht nehmen. Auf der Innenministerkonferenz der Nordländer in Kiel war es als Thema vorgesehen, im Herbst soll die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern darüber beraten. Vahldieck hofft auf eine bundeseinheitliche Regelung nach dem Hamburger Vorbild: Der schwarz-grüne Senat hatte im Zuge des Sparpakets der Stadt beschlossen, sich die Polizeieinsätze bei kommerziellen Veranstaltungen mit mehr als 5000 verkauften Eintrittskarten zumindest teilweise erstatten zu lassen.

Vahldiecks Vorstoß stößt in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bisher auf Ablehnung - bei den Bundesliga-Clubs und DFL sowieso. Für Heribert Bruchhagen, Vorstandsmitglied im Ligaverband und Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, hat das Thema «einen extremen Bart». «Das habe ich schon 180 Mal gehört. Das ist totaler Unsinn. Da sind ein paar, die sich auf Kosten des Fußball profilieren wollen», sagte auch Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß.

Bremens Clubchef Klaus Allofs verwies auf die DFL, die «da seit Jahren eine eindeutige Position vertritt. Da hat sich nichts verändert.» Beim Nord-Duell gegen den HSV hatte Werder erstmals einen Bus-Dienst zwischen Bahnhof und Weserstadion für die gegnerischen Fans organisiert und bezahlt. «Das ist ein Entgegenkommen an die Stadt Bremen und betrifft nicht unsere grundsätzliche Einstellung zu der Finanzbeteiligung der Clubs», sagte Allofs. Nach der Partie war es auf dem Treppenabgang im Gästeblock zu dem Zwischenfall gekommen, bei dem es auch zwei Schwerverletzte gab.

«Wir sind im Stadion für die Ordnung zuständig, das regeln wir mit unserem Ordnungsdienst, was auch schon viel Geld kostet. Für die öffentlichen Plätze ist die Polizei zuständig» - so sieht es Schmadtke bei Hannover 96. Dass sich künftig die Vereine im Norden an den Kosten für die Polizeieinsätze beteiligen müssen und die anderen nicht, das will auch Vahldieck vermeiden. Vieles spreche dafür, «es im Bundeskonzert zu tun».