Singapur (dpa) - Nach der Siegfahrt mit der «Roten Göttin» durch die Nacht von Singapur liegt das Ferrari-Land Italien Fernando Alonso zu Füßen. Und auch in der Heimat des spanischen Formel-1-Piloten gibt es keine Zweifel mehr, wer Weltmeister wird.

«Fernando Alonso fliegt dem Titel entgegen», war sich das Sportblatt «As» sicher. Konkurrent «Marca» ernannte den 29-Jährigen zum «König der Nacht». Italiens «Libertà» machte Alonso zum «König von Singapur».

Der Pilot aus Asturien bringt alles mit für den spannendsten Titelkampf in der Formel-1-Geschichte. Alonso ist nervenstark, abgezockt und er ist rücksichtslos. Alonso weiß, wie man den Titel holt. 2005 und 2006 triumphierte er im Renault, Michael Schumacher hatte damals im Ferrari keine Chance.

In Singapur nahm er am Start Sebastian Vettel die einzige Möglichkeit zum Überholen, konsequent und kompromisslos. Danach ließ er den jungen Deutschen nicht mehr ran. «Er ist ein fantastisches Rennen gefahren. Einfach perfekt», schwärmte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. Für «Tuttosport» kurzum ein «Meisterwerk».

In Italien kommt die Begeisterung der einstigen Heldenverehrung für Schumacher gleich. Dabei hat Alonso noch nichts für Ferrari erreicht, der Weltmeister-Titel ist alles andere als programmiert. Noch liegt er hinter dem WM-Spitzenreiter Mark Webber im Red Bull. Und auch Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes, Vettel im zweiten Red Bull und Titelverteidiger Jenson Button im McLaren lauern.

Aber der Trend spricht für den zweimaligen Champion aus Spanien. «Vor ein paar Wochen schien ich nicht mehr im Rennen um den Titel. Jetzt haben wir noch vier Rennen, in denen alles passieren kann», sagte Alonso. In den vergangenen fünf Läufen holte er 93 Punkte - so viele wie kein anderer. Er verkürzte den Rückstand auf die Spitze seit dem Großen Preis von Großbritannien von 47 Punkten auf elf Zähler und arbeitete sich von Platz fünf auf Rang zwei vor. «Alonso - die rote Furie, was für eine Aufholjagd!» stellte «La Gazzetta dello Sport» voller Bewunderung fest.

Im Vergleich zu seinen Titelkonkurrenten hat Alonso noch einen Vorteil: Er ist das Alphatier im Rennstall. Alles ist auf ihn ausgerichtet. Felipe Massa darf mitfahren, aber nicht stören. Wer das Sagen hat, machte Alonso dem Brasilianer schon beim Rennen in Schanghai deutlich, als er sich in der Boxeneinfahrt am Teamkollegen vorbeidrängelte. Spätestens nach dem Grand Prix auf dem Hockenheimring, als Massa den Sieg dem Spanier überlassen musste, war klar, wer für die Scuderia den WM-Titel holen soll.