Antalya (dpa) - Beim Schaulaufen auf dem Abschluss-Bankett im Kremlin-Hotel von Antalya stand Gewichtheber Matthias Steiner der Sinn nur noch nach Urlaub.

Mit den Medaillen als Vizeweltmeister im Superschwergewicht und Weltmeister in der Einzeldisziplin Stoßen, die er mit einer Energieleistung an sich gerissen hatte, ist für den Olympiasieger von Peking eine der schwierigsten sportlichen Phasen unerwartet positiv ausgeklungen. «Ich habe das ganze Jahr geknüppelt, jetzt muss ich die Birne freikriegen», sagt der 28-Jährige und verrät unter Protest seiner Frau Inge, wohin die Urlaubsreise geht: Mallorca.

Die aufreibende Werbetour in eigener Sache nach der Olympia-Gala und die anschließende Verletzungspause hatten ihn komplett aus dem Rhythmus geworfen. Steiner stagnierte, hing bei 426-Zweikampf-Kilo fest. Und noch immer ist der gebürtige Österreicher bei der technischen Umsetzung der Hantelübungen nicht der Alte. «Mal lief es im Training zwei Wochen super, dann zwei Wochen sch...», resümierte Steiner. Er war, wie er bekennt, «so gefrustet».

Nach Antalya war der 146-Kilo-Hüne mit Bauchschmerzen gereist. Mit Trainer Frank Mantek habe er sich fragende Blicke zugeworfen. Auch den plagte Unwohlsein vor der ersten Prüfung auf Weltniveau nach der Peking-Show. «Ich bin kein Wunderkind», meint Steiner. Umso ausgelassener freute sich das Duo über den überraschenden Coup von 440 (194/246) Kilo. Mehr hatte er nur auf der Olympia-Bühne gestemmt (461 kg).

Künftig will sich Steiner in der Öffentlichkeit rarer machen. «Wir haben die Termine reduziert», sagt der in Heidelberg lebende Athlet. «Der Körper muss sich erholen.» Die EM im nächsten Jahr lässt er aus. PR-Termine sollen nur noch handverlesen sein. Schließlich verlangt die Familie mit Sohn Felix ihr Recht. Zudem, so verrät er, sei ihm eine Angst genommen: «Die Familie ist versorgt.» Steiner, der bei der Bundeswehr wegen Übergewichts und Diabetes rausgeflogen ist, muss andere Geldquellen, sprich Sponsoren, für sich und seine Nächsten erschließen.

«Der Junge muss runterfahren. Er braucht Ruhe», befiehlt Mantek. Der 51 Jahre alte Trainer will seine Superschwergewichtler - Almir Velagic (Speyer) musste wegen einer Schulterverletzung nach dem Reißen aufgeben - künftig in Schutzhaft nehmen: «Wir verkneifen uns einiges. Die Dicken können nur alle zwei Jahre so ein Ding rausholen.»

Steiner ist durch und durch ein Kopf-Sportler. Da nützt im Training das Simulieren des Ernstfalls rein gar nichts. Erst wenn die versammelte Weltelite ihm ans Leder will, erwacht der Überlebensinstinkt. «Ich kann keine normalen Wettkämpfe machen. Nur besondere», bekennt der Kraftprotz. Mantek spricht vom Schalterumlegen, was seinem Schützling seit Peking nicht mehr gelungen war. Als Steiner im Stoßen Gold-Witterung aufgenommen hatte, seien ihm laut Mantek «die Nüster gegangen», er habe geschnauft und einen starren Blick bekommen.