London/Oberursel (dpa) - Die geplante Flugticketsteuer in Deutschland hat das Geschäft von Europas zweitgrößtem Reiseveranstalter Thomas Cook belastet. Laut Mitteilung des Konzerns sind die Winter-Buchungszahlen im Mitteleuropa-Markt unmittelbar nach Ankündigung der Steuer gesunken.

Während in allen anderen Teilmärkten die Buchungen im Jahresvergleich nach oben schnellten, haben sie den Angaben zufolge in Mitteleuropa bislang nur das Niveau des Vorjahres erreicht. Inzwischen habe das Geschäft aber wieder angezogen, versicherte Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa in einer Telefonkonferenz.

Der durchschnittliche Preis der Winterreisen sei auf dem mitteleuropäischen Markt deutlich um 6 Prozent gestiegen, wie der Veranstalter mit Marken wie Neckermann Reisen und Bucher Last Minute in London und Oberursel bei Frankfurt berichtete. Es sei häufiger im Premium-Segment gebucht worden, zudem seien die Einkaufspreise gestiegen.

Sorgen macht dem Konzern vor allem der britische Reisemarkt, der im wichtigen Sommergeschäft noch ein Prozent schwächer zeigte als im Krisenjahr 2009. Gegen Saisonende flaute die Nachfrage weiter ab und allein beim operativen Ergebnis der Flugzeugflotte klaffte eine Nettolücke von 10 Millionen britischen Pfund (11,8 Mio Euro).

Jetzt versucht Thomas Cook, die Kosten für die Reisen der Briten im Nachhinein zu senken. Zahlreichen Hoteliers in den Ferienregionen kürzte das Unternehmen die Rechnungen pauschal um fünf Prozent und traf damit vor allem in Spanien auf Gegenwehr. Fontenla-Novoa verteidigte die Kürzungen, die nur für Reisen aus dem britischen Markt im August und September gegolten hätten. In den meisten Regionen sei man auf Verständnis gestoßen, dass auch die Hotels einen Beitrag leisten müssten, um das rückläufige Geschäft zu stützen.

In Mitteleuropa mit dem gewichtigen deutschen Markt wurden im Sommer vorwiegend billigere Reisen gebucht. Die Preise sanken um drei Prozent, der Absatz legte um vier Prozent zu.

Mit der Neuerwerbung Öger Tours strebe Thomas Cook eine führende Position auf dem türkischen Markt an, sagte Fontenla-Novoa. Das Geschäft aus Deutschland heraus sei dafür sehr wichtig. Mit anderen Übernahmekandidaten sei man derzeit nicht in Verhandlungen. Über die weitere Entwicklung berichtet Thomas Cook bei Vorlage der Jahresbilanz am 1. Dezember.