Frankfurt/Main (dpa) ­ Die Commerzbank will ihr Mittelstandsgeschäft im Ausland kräftig ausbauen. «Unser Ziel ist, in den Auslandsmärkten bei den Erträgen im zweistelligen Bereich zu wachsen», sagte der für Firmenkunden zuständige Commerzbank-Vorstand Markus Beumer in einem Gespräch mit der dpa.

Künftig will die Commerzbank deutsche Mittelständler noch stärker ins Ausland begleiten. In Asien und Osteuropa betreuen bereits deutschsprachige Berater die Firmen. Zudem soll eine engere Beziehung zu ausländischen Mutterkonzernen deutscher Kunden aufgebaut werden: «Wir machen häufig das inländische Geschäft, aber auf Dauer müssen wir sehen, dass wir auch die Konzernmütter im Ausland als Kunden gewinnen. Das ist ein großes Wachstumsfeld.»

In Deutschland sieht die Bank, die sich als größten Kreditgeber für den heimischen Mittelstand bezeichnet, Nachholbedarf in erster Linie bei Großkunden und Kleinunternehmern. «Da sehe ich sehr großes Wachstumspotenzial», sagte Beumer. Derzeit habe die Commerzbank im Mittelstand gemessen am Ertrag insgesamt zwölf Prozent Marktanteil.

Die Mittelstandsbank ist inzwischen die tragende Säule der Commerzbank. Im ersten Halbjahr trug sie mit 684 Millionen Euro rund 68 Prozent zum gesamten operativen Gewinn der Commerzbank bei. Ein Grund dafür war die deutlich gesunkene Risikovorsorge. Für 2010 sieht Beumer gute Chancen, die Kosten für faule Kredite in seinem Portfolio weit unter die erwartete Marke von etwa einer Milliarde Euro drücken zu können.

Aber: «Der Effekt der sinkenden Risikovorsorge wird irgendwann abnehmen. Dann kommt der Punkt, an dem wir wieder eine verstärkte Ertragsdynamik brauchen», sagte Beumer. Ohne Wachstum werde es schwierig, die für 2012 angestrebten 1,8 Milliarden Euro Ertrag zu erzielen. «Ich bin derzeit positiv gestimmt, weiß aber auch, dass noch eine gute Wegstrecke vor uns liegt.»

«Wir haben bereits zum Halbjahr das Ergebnis des Vorjahres übertroffen. Die große Sorge ist derzeit allerdings, wie nachhaltig der Aufschwung ist», sagte Beumer. Wie andere Experten gehen auch die Fachleute der Commerzbank davon aus, dass das Wirtschaftswachstum gegen Ende des Jahres wieder abflachen wird.

Die Sorgen der Mittelständler nähmen aber tendenziell ab, schilderte Beumer. Allerdings profitiere das Kreditgeschäft noch nicht in gleichem Maße von dem kräftigen Konjunkturaufschwung. «Viele Firmen haben sich in der Krise Liquiditätspolster angelegt, von denen sie jetzt zehren. Zudem ist die Investitionsnachfrage nach wie vor zu niedrig», sagte Beumer. «Natürlich sind Kredite teurer geworden ­ das liegt vor allem an den krisenbedingt höheren Risikoprämien.»