Nürnberg (dpa) - Trotz eingetrübter Konjunktur bleibt die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiter auf Rekordtief. Wegen der Sommerflaute ist die Zahl der Erwerbslosen im August zwar um 5000 auf 2,945 Millionen gestiegen - dies ist aber trotzdem der niedrigste August-Stand seit 20 Jahren.

Ohne jahreszeitliche Faktoren wäre die Zahl der Jobsucher sogar weiter gesunken - und zwar um rund 8000, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg. Auf dem Arbeitsmarkt habe man im August noch die großen Ferien in großen Bundesländern gespürt; in dieser Zeit zögerten viele Firmen mit Neueinstellungen.

Trotzdem habe sich die Lage selbst im Vergleich zum Boomjahr 2010 weiter verbessert. Damals hatte die Zahl der Arbeitslosen noch um 238 000 höher gelegen. Die Arbeitslosenquote lag im August bei unverändert 7,0 Prozent. «Der konjunkturelle Aufschwung verliert zwar an Dynamik. Dennoch hat sich die grundsätzlich gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im August fortgesetzt», kommentierte BA-Chef Frank-Jürgen Weise die Zahlen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht den Arbeitsmarkt trotz der leichten Delle im August nach wie vor in guter Verfassung. «Der Aufschwung ist immer noch da, aber seine Dynamik nimmt ab», sagte sie in Berlin.

Gelassen sieht Weise die jüngsten Börsenturbulenzen und die leichte Eintrübung des Geschäftsklimas. «Diese Stimmungen setzen sich ab von den tatsächlichen Gegebenheiten», betonte er. Daher sieht er vorerst für den Arbeitsmarkt keineswegs schwarz: «Es sieht so aus, als ob der Arbeitsmarkt die aktuelle Entwicklung wegstecken kann», sagte Weise. «Ich sehe im Moment keine Konjunkturdelle. Die Wirtschaftsweisen rechnen für 2011 mit einem dreiprozentigen Wirtschaftswachstum».

Dass die Betriebe trotz ungewisser Konjunkturaussichten weiterhin neue Leute einstellten, hängt nach Beobachtung von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker auch mit der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zusammen: Viele Unternehmen arbeiteten mit Arbeitszeitkonten und befristeten Verträgen oder fingen Auftragsspitzen mit Leiharbeitern ab. Dadurch könnten sie rasch auf eine Konjunkturkrise reagieren.

Zu einer Jobmaschine hat sich nach Erkenntnissen der Bundesagentur für Arbeit inzwischen die von der Finanzkrise am stärksten getroffene Industrie entwickelt. Binnen Jahresfrist seien dort mit Stand Juni 140 000 neue Arbeitsplätze entstanden - und damit so viel wie in keiner anderen Branche. «Das verarbeitende Gewerbe steht inzwischen an der Spitze der Veränderung; dennoch wird die Zahl der Arbeitsplätze nicht mehr so hoch sein wie vor der Krise», erläuterte Weise. Daneben seien 93 000 neue Arbeitsplätze im Handel, 108 000 im Gesundheits- und Sozialwesen, 118 000 bei Firmendienstleistern und 116 000 in der Zeitarbeit entstanden.

Insgesamt gab es zuletzt im Juli 41,13 Millionen Erwerbstätige - und damit 527 000 mehr als im Vorjahr. Noch deutlicher fällt das Plus bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aus. Die Zahl der regulären Arbeitsverhältnisse lag mit 28,39 Millionen um 684 000 über dem Vorjahreswert. Vom Zuwachs entfielen 385 000 auf Vollzeitjobs, 298 000 auf Teilzeitbeschäftigung.