Hamburg/Kiel (dpa) - Die HSH Nordbank sieht keine Alternative mehr zu einem zusätzlichem Stellenabbau. Es sei nicht möglich, die Auflagen der EU abzuwenden oder abzumildern, sagte Vorstandschef Paul Lerbinger am Freitag in Hamburg.

Sollten sie nicht erfüllt werden, drohe in letzter Konsequenz die Abwicklung des Instituts. Deshalb sei der Abbau von weiteren 900 Arbeitsplätzen über die bisherigen Planungen hinaus unausweichlich. «Ich bin mir der Tragweite dieser Maßnahmen und der Bedeutung für die betroffenen Mitarbeiter bewusst», sagte Lerbinger. «Ich würde auch lieber eine Bank leiten, die wächst und nicht schrumpft.»

Die Auflagen der EU seien nicht verhandelbar, sondern ein hoheitlicher Akt in einem Verfahren der EU gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen Verstößen gegen den EU-Vertrag. Damit sollen Wettbewerbsverzerrungen durch Staatshilfen ausgeglichen werden. Hamburg und Schleswig Holstein hatten die Bank in der Finanzkrise mit Milliardensummen gerettet. Unter anderem soll die Bilanzsumme in der Kernbank bis 2014 auf 82 Milliarden Euro begrenzt werden: Die neue HSH Nordbank wird deutlich kleiner.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte, die Auflagen der EU-Kommission richteten sich einseitig gegen die Beschäftigten. «Der Kompromiss der Politik rettet das Unternehmen und die Investitionen der Eigentümer auf dem Rücken der Belegschaft», sagte Berthold Bose, Landesfachbereichsleiter Finanzdienstleistungen bei Verdi Hamburg.

«Hier wird von Beamten aus Brüssel entschieden, dass die Beschäftigten den Job verlieren, obwohl ein alternatives tragfähiges Modell vorlag, das die Eigentümer unterstützten.» Es werde mit zweierlei Maß gemessen. Andere EU-Länder und auch Banken hätten in vergleichbaren Fällen wesentlich mehr Entgegenkommen erhalten. Die Arbeitnehmer haben im Aufsichtsrat das Konzept ebenfalls gebilligt, geht aus der Mitteilung der Bank hervor.

Widersprüchliche Angaben gab es am Freitag über die Konsequenzen des Personalabbaus an den Bank-Standorten Hamburg und Kiel. Bankchef Lerbinger erklärte in Hamburg, genaue Zahlen seien noch nicht ermittelt. Der Abbau werde sich ungefähr anteilig wie in der Gesamtbank auf die Standorte verteilen.

Im Kieler Landtag sagte Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU), es sollten 354 Stellen in Kiel und 480 in Hamburg wegfallen. Das entspreche 30 Prozent der Stellen in Kiel und 31 Prozent der Stellen in Hamburg. Es sei noch offen, ob sich betriebsbedingte Kündigungen vermeiden ließen.