Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag erneut mit Verlusten geschlossen.

Allerdings reduzierte der Dax sein Minus spürbar auf einen Abschlag von 0,84 Prozent auf 5537,48 Punkte, nachdem US-Notenbankchef Ben Bernanke von intakten längerfristigen Wachstumsaussichten für die USA sprach und die Tür für mögliche weitere geldpolitische Lockerungen im September offen ließ. Am Nachmittag war der Index zeitweise noch um mehr als drei Prozent eingebrochen. Im Wochenverlauf verbuchte der Leitindex jedoch erstmals seit einem Monat wieder ein Plus und legte um rund ein Prozent zu. Seit Ende Juli hatte er allerdings im Tief rund 2000 Punkte oder mehr als 25 Prozent eingebüßt. Der MDax verlor am Freitag 0,89 Prozent auf 8628,85 Punkte. Der TecDax sank um 0,30 Prozent auf 715,04 Punkte.

«Im Grunde ist es keine große Enttäuschung, was Bernanke gesagt hat, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben», sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. «Allerdings kann er die Konjunktur selbst nicht verbessern, sondern allenfalls die Angebotsbedingungen.»

Besonders schwach zeigten sich die Finanzwerte. Die Aktien der Deutschen Bank büßten am Dax-Ende 2,92 Prozent auf 26,615 Euro ein und die der Commerzbank verloren 2,73 Prozent auf 1,959 Euro. Versicherungswerte kamen ebenfalls unter Druck: Die Allianz-Titel gaben um 2,36 Prozent nach und die der Munich Re schlossen 2,72 Prozent im Minus.

Die Aktien aus dem Automobilsektor hingegen zeigten sich trotz überwiegend skeptischer Analystenkommentare besser als der Markt. Wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten kürzten die Barclays-Experten branchenweit die Kursziele. Die VW-Papiere wurden aber dennoch hochgestuft und zählten mit einem Plus von 1,25 Prozent auf 109,15 Euro zu den gefragtesten Werten. Die Titel von BMW stiegen um 0,43 Prozent, während die von Daimler um 0,45 Prozent nachgaben.

Die Titel von Lanxess hingegen brachen im MDax um 5,77 Prozent auf 39,790 Euro ein und waren Schlusslicht im Index mittelgroßer Werte. Die Papiere des Spezialchemiekonzerns litten Händler zufolge darunter, dass Unternehmenschef Axel Heitmann fast seinen gesamten Bestand an Lanxess-Titeln auf den Markt geworfen hat. Das habe trotz der Betonung von privaten Gründen Heitmanns einen Vertrauensverlust der Aktionäre in das Unternehmen und das Management ausgelöst, sagte ein Händler.

Der EuroStoxx 50 verlor 1,18 Prozent auf 2190,44 Punkte, konnte jedoch auf Wochensicht ein Plus von 1,45 Prozent verbuchen. Der Pariser Leitindex schloss am Freitag ebenfalls schwach, während der britische FTSE 100 nahezu unverändert in sein verlängertes Wochenende ging. In den USA legte der Leitindex Dow zum europäischen Handelsschluss mehr als ein Prozent zu, die Nasdaq-Indizes sogar um jeweils mehr als zwei Prozent.