Berlin (dpa) - Acht Kernkraftwerke wurden im Zuge des Atomausstiegs abgeschaltet. Um Stromknappheit vor allem in der kalten Jahreszeit zu verhindern, muss es Reserven geben. Nun ist klar: Ein AKW im «Stand-By»-Betrieb soll es nicht geben.

Stattdessen sollen Kohle- und Gaskraftwerke im Südwesten in Bereitschaft bleiben, um die Versorgung bei wenig Wind und Sonne bei zugleich hohem Stromverbrauch sicherzustellen. Das gab der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, am Mittwoch in Berlin bekannt. «Es bleibt uns erspart, ein Kernkraftwerk zu reaktivieren.» Die Situation in Deutschland werde für mehrere Jahre aber «sehr ernst bleiben».

Mit Block 3 des Großkohlekraftwerks in Mannheim, dem Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden (Gasturbine) und Block C des Kohlekraftwerk in Ensdorf (Saarland) könne die sichere Versorgung im Rhein-Neckar-Raum im Falle von Engpässen gewährleistet werden. «Insgesamt haben wir in Deutschland zusätzliche, gesichert zur Verfügung stehende Reservekapazitäten in Höhe von 1009 Megawatt sowie sicher zur Verfügung stehende Reserveleistung in Österreich in Höhe von 1075 Megawatt ermittelt», sagte der Präsident der Netzagentur.

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hatte sich zuvor bereiterklärt, dass in dem Großkraftwerk in Mannheim fünf statt bisher vier Blöcke gleichzeitig in Betrieb sein dürfen. Sie hatte damit den Weg dafür bereitet, dass es kein AKW im «Stand-By»-Betrieb geben muss. Damit ist das Aus für alle acht vom Netz genommenen Atommeiler endgültig - bis 2022 sollen die verbleibenden neun Kernkraftwerke schrittweise abgeschaltet werden.

Die Bundesländer hatten zuvor darauf gedrungen, auf ein AKW als Reserve zu verzichten. Mehrkosten durch die konventionellen Kaltreserven müssen die Verbraucher über die Netzentgelte zahlen. «Die Sicherheit muss uns das wert sein», betonte Kurth.

Ein Kernkraftwerk als Kaltreserve hätte nach Schätzung der Regierung 50 Millionen Euro pro Jahr gekostet. Experten hatten kritisiert, dass es im Fall von Engpässen zu lange dauern könnte, bis ein Atomkraftwerk wieder angefahren werden kann und Strom liefert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte betont, dass nach Möglichkeit kein Kernkraftwerk als Kaltreserve dienen soll.

Die Netzagentur hatte im Juni von der Bundesregierung den Auftrag erhalten, bis Anfang September eine Entscheidung zu treffen. Als Kandidaten für ein «Stand By»-AKW galten unter anderem der RWE-Meiler Biblis B in Hessen und das EnBW-Kraftwerk Philippsburg I in Baden-Württemberg. Die von Merkel eingesetzte Ethikkommission zur Energiewende hatte diese Lösung als eine Variante vorgeschlagen, besonders Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte sich dann dafür stark gemacht, um auf Nummer sicher zu gehen.