Spa (SID) - Nach der Ausbootung von Formel-1-Pilot Nick Heidfeld bei seinem bisherigen Rennstall Renault wird der Ton schärfer. Heidfelds Seite beharrt darauf, einen gültigen Vertrag zu besitzen und will diesen in einem Rechststreit vor dem Londoner High Court durchsetzen. Renault-Teamchef Eric Boullier wirft dem Mönchengladbacher unterdessen öffentlich mangelnde Leistung vor.

"Ich war nicht zufrieden mit dem puren Tempo von Nick und seinem Auftritt als erfahrerer Pilot. Ganz einfach", meinte der Franzose am Freitag in Spa: "Nick ist ein netter Junge, aber irgendetwas hat nicht funktioniert, seine Führungsqualitäten haben im Team nicht gegriffen."

Boullier monierte, dass Heidfeld als eigentlich vorgesehener Teamleader zu oft langsamer als Teamkollege Witali Petrow gewesen sei: "Wenn eine Abwärtsspirale startet, ist es schwierig, das zu stoppen. Ich musste etwas ändern, um das Team wachzurütteln."

Am Mittwoch hatte Renault bekannt gegeben, dass der Brasilianer Bruno Senna am Sonntag in Spa (14.00 Uhr/RTL und Sky) anstelle von Heidfeld fahren soll. Der Neffe des 1994 tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna soll nach Wunsch des Teams bis zum Saisonende im Auto sitzen. In einer einstweiligen Entscheidung des Gerichtes wurde zunächst festgesetzt, dass Senna den Platz bis zu einer endgültigen Entscheidung in der Hauptverhandlung einnehmen darf, die nach dem Grand Prix in Monza (11. September) stattfindet.

Heidfeld selbst wollte sich zu dem schwebenden Verfahren nicht äußern, bedauert aber, dass es überhaupt so weit kommen musste. "Ich war von der Absicht des Teams zum Fahrerwechsel überrascht und bedaure, dass sich die Dinge in diese Richtung entwickelt haben. Aus meiner Sicht ist mein Vertrag eindeutig", sagte der 34-Jährige. Sein Manager Andre Theuerzeit meinte: "Wir alle hoffen, dass Nick in Singapur wieder im Cockpit sitzt." In Singapur gastiert die Königsklasse am 25. September.

Boullier versuchte zudem darzustellen, dass Sennas Beförderung vom Testfahrer zum Stammpiloten nichts mit einem geschäftlichen Projekt des Teameigners, der Kapitalgesellschaft Genii des Luxemburgers Gerard Lopez, in Brasilien zu tun habe. "Es stimmt, dass es eine Verbindung nach Brasilien gibt, weil Genii dort eine 10-Milliarden-Dollar-Investition getätigt hat. Aber das hat nichts mit Bruno zu tun", meinte Boullier. Vielmehr sei es logisch, den dritten Fahrer des Teams zu fördern, wenn man die Fahrerpaarung ändere.