Hannover (dpa) - Hannover 96 olé. Die Mannschaft von Trainer Slomka hat sich in Sevilla für die Europa-League-Gruppenphase qualifiziert und trifft auf machbare Gegner. Manager Schmadtke schließt Spielertransfers nicht aus.

So eine Morgendusche als Belohnung für eine außergewöhnliche Leistung haben die Fußball-Profis von Hannover 96 noch nie erlebt. Als die Boeing 737-800 aus Sevilla am Freitagmorgen um 4.30 Uhr auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen landete, standen Feuerwehrautos Spalier und gratulierten dem 96-Team zum erstmaligen Einzug in die Gruppenphase der Europa League. Zwei Spritzenwagen nahmen die Maschine von links und rechts unter kräftigen Wasserbeschuss. «So etwas ist auf Flughäfen äußerst selten», teilte der Kapitän den staunenden Passagieren mit.

Die von den Strapazen des 1:1 (1:1) beim FC Sevilla sichtlich erschöpften Kicker rafften sich noch einmal auf, sangen mit 140 Fans an Bord ein Ständchen für Geburtstagskind Lars Stindl (23) und stiegen bereits auf dem Rollfeld in den Mannschaftsbus. Eine Mütze Schlaf wollte jeder noch mitnehmen, denn Trainer Mirko Slomka hatte trotz des sensationellen Weiterkommens gegen den zweimaligen UEFA-Cup-Sieger aus Spanien für den Nachmittag die nächste Übungseinheit angesetzt. Bereits am Sonntag winkt im Heimspiel gegen Mainz 05 die Tabellenführung und der nächste Jubeltag.

Damit soll es auch vom 15. September an in der Gruppe B der Europa League weitergehen. 96 trifft dann auf den FC Kopenhagen, Standard Lüttich und Worskla Poltawa in der Ukraine. «Die Gruppe wird eine schöne Herausforderung», kommentierte Sportdirektor Jörg Schmadtke, der nach dem für ihn kurzen Zwischentopp in Hannover gleich weiter nach Monaco zur Auslosung gejettet war.

«Europa, wir kommen», so hieß die Devise der 96-Fans vor den beiden Playoff-Spielen. «Die Mannschaft ist in Europa angekommen», so lautete das Fazit von Slomka nach zwei unglaublich intensiven und hitzigen Partien, in denen 96 mit 2:1 und 1:1 verdient die Nase vorn hatte und die internationale Reifeprüfung mit Bravour bestand. «Solche Erlebnisse bringen die Mannschaft weiter», sagte Schmadtke, den auch Sevillas Dauer-Offensive nicht aus der Ruhe brachte: «Der Druck war nicht so, dass ich dachte, ich muss kribbelig werden.»

Die 40 000 Zuschauer im Stadion Ramón Sánchez Pizjuán, darunter 3000 Fans aus Hannover, erzeugten zwar einen Höllenlärm, doch die 96-Profis behielten bei Temperaturen um 30 Grad kühlen Kopf. Sie blieben cool bei der Führung durch Mohammed Abdellaoue (23. Minute) nach einem mustergültigen Konter, sie blieben cool beim Eigentor von Emanuel Pogatetz (37.) und sie blieben cool, als Schiedsrichter Serge Gumienny (75.) nach einem Foul an Jan Schlaudraff den fälligen Elfmeter in einer Partie mit Haken und Ösen verweigerte.

Ein Sonderlob kassierte der 22 Jahre alte Torwart Ron-Robert Zieler für seine Rettungstaten. «Wenn's brennt, ist er der Rückhalt mit seinen jungen Jahren», sagte Slomka. «Es war ein großer Fight und die heftigste Stimmung, die ich je erlebt habe», erklärte Schlaudraff. Er gab auch zu: «Wir haben viel Kraft gelassen.» Das könnte noch ein Problem werden, denn zumindest bis Weihnachten spielt 96 nun international. Englische Wochen sind an der Tagesordnung, die sechs Gruppenspiele werden mehr als fünf Millionen Euro zusätzlich in die Kassen spülen, Geld für eine Kader-Vergrößerung ist da.