Coverciano (dpa) - Mitten im italienischen Fußball-Chaos will die «Squadra Azzurra» vorzeitig das Ticket für die EM 2012 lösen. «Der Streik war ein Eigentor für alle», gibt Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli zu.

Deshalb geht es ihm in den Qualifikationsspielen am Freitag auf den Färöer Inseln und am Dienstag in Florenz gegen Slowenien nicht nur um die EM-Fahrkarte nach Polen und in die Ukraine, sondern um eine höhere Mission: «Wir wollen ein anderes Bild des italienischen Fußballs zeigen!»

Beflügelt vom 2:1-Sieg im Freundschaftsspiel gegen Welt- und Europameister Spanien wollen die «Azzurri» in der Qualifikationsgruppe C alles klar machen: Vier Spieltage vor Schluss führt Italien (16 Punkte) klar vor Slowenien (11) und Nordirland (9). Mit zwei Siegen wäre der viermalige Weltmeister nicht mehr von Platz eins zu verdrängen.

«Das wir so kurz vor der Qualifikation stehen, sollte uns zusätzlich motivieren», meint Prandelli, der auf Routinier Andrea Pirlo in der Rolle des Regisseur im Mittelfeld und auf Antonio Cassano als Dreh- und Angelpunkt im Spiel auf die beiden Spitzen setzt. Sorgen bereitet ihm allerdings die fehlende Spielpraxis seiner Stars wegen des ausgefallen Serie A-Starts. «Das ist ein Problem», klagt der «Commissario tecnico». Im Trainingslager warnte er davon, den Fußballzwerg Färöer Inseln zu unterschätzen und sich vom Streit zwischen AIC und Liga um den neuen Lizenzspielervertrag ablenken zu lassen.

Das aber ist leichter gesagt, als getan: Die Machtprobe zwischen Spielern und Vereinen geht weiter. Bei einer Aussprache zwischen AIC-Chef Damiano Tomasi und Liga-Präsident Maurizio Beretta im Fernsehen zeigten sich beide Seiten unversöhnlich. Fußballverbandschef Giancarlo Abete fürchtet bereits um den zweiten Ligastart-Versuch am kommenden Wochenende. Italiens NOK-Chef Gianni Petrucci warf beiden Seiten Verantwortungslosigkeit vor und traf sich mit der Regierung in Rom, um über Auswege aus der Krise zu beraten.

Dort sei er allerdings genau an der falschen Adresse, meint Nationalmannschaftskapitän Gianluigi Buffon. Er wittert eine politische Verschwörung hinter dem eskalierten Liga-Streit. Es gehe darum, «die Menschen vor den realen Problemen des Landes abzulenken». «Wenn in Italien politische Konfusion herrscht, wird zwei Wochen lang Staub rund um den Fußball aufgewirbelt», meinte der Torwart.

Buffon ist mit seinem Trainer einer Meinung: Der Spielerstreik war ein Fehler und die EM-Qualifikationsspiele sind eine große Chance, verspielten Kredit bei den Fans zurückzugewinnen. Ansonsten folgen die «Tifosi» vielleicht wirklich dem Aufruf der «Famiglia Cristiana». Die christliche Zeitschrift forderte am Mittwoch das Publikum auf, den Spielerstreik mit einem Fanstreik zu beantworten.