London (dpa) - Das Bild hatte Symbolcharakter. Arsène Wenger stand in seiner blauen Teamjacke völlig durchnässt im Londoner Regen und schlug die Hand vors Gesicht.

Selten hat man den Trainer des FC Arsenal in seiner fast 15-jährigen Schaffenszeit bei den «Gunners» so ratlos gesehen wie am Samstag beim 0:2 (0:0) in der englischen Fußball-Eliteliga gegen den FC Liverpool. Nach dem 0:0 bei Newcastle verpatzte Arsenal mit der Heimpleite vollends den Saisonstart. Manchester City bestätigte hingegen seine Rolle als Mitfavorit.

Die «Citizens» siegten bei den Bolton Wanderers mit 3:2 (2:1) und übernahmen die Tabellenführung. Manchester United empfängt am Montag Tottenham Hotspur und kann aufschließen. David Silva (26.), Gareth Barry (37.) und der ehemalige Wolfsburger Edin Dzeko (47.) erzielten die Tore für ManCity. Für Bolton trafen der ehemalige Bremer Ivan Klasnic (39.) zum 1:2 und Kevin Davis (63.) zum 2:3. Stoke City mit dem deutschen Profi Robert Huth kam bei Norwich City dank eines späten Treffers von Kenwyne Jones zu einem 1:1 (1:0). Das Tor von Kenwyne Jones (90./+4) rettete einen Punkt für die «Potters». Ritchie de Laet (37.) hatte das 1:0 markiert.

Ohne den zum FC Barcelona zurückgekehrten Mittelfeldstrategen Cesc Fabregas fehlte es Arsenal am Vortag gegen Liverpool wie auch in den vorangegangenen Partien bei Newcastle United und Udinese Calcio in der Champions-League-Qualifikation (1:0) an Ideen im Spielaufbau. Großes Verletzungspech verschärft die Situation beim dreimaligen Premier-League-Meister. Die als kritisch geltenden Fans buhten am Ende die Verlierer im Emirates Stadium unbarmherzig aus.

Der 19 Jahre alte Startelf-Debütant Emmanuel Frimpong sah überdies die Gelb-Rote Karte (70.). «Frimpongs Platzverweis zeigte die Risse bei Arsenals Zerfall», bilanzierte der «Independent». Ein Eigentor von Aaron Ramsey (78.) und ein Treffer des eingewechselten Liverpooler Stürmerstars Luis Suarez (90.) besiegelten die verdiente Niederlage. «Wir können im Moment nicht sagen, dass wir Glück haben», übte sich Arsène Wenger in Sarkasmus.

Der Franzose steht vor den wichtigen Spielen bei Udinese Calcio am Mittwoch und Manchester United in der Premier League am nächsten Sonntag unter Zugzwang. «Wenger muss die Mannschaft umbauen, während die Uhr gnadenlos in Richtung Ende der Transferperiode tickt», forderte der «Daily Mail». Ähnlich sah die Misere BBC-Chefkommentator Phil McNulty: «Arsène muss jetzt handeln, die nächsten zehn Tage werden nicht über sein Schicksal bei Arsenal entscheiden, aber sie werden für sein drastisch dezimiertes Team die Stimmung vorgeben.»

Trotz der verpatzten Saison-Ouvertüre gibt sich der 61-jährige Franzose kämpferisch: «Ich werde auf keinen Fall davonlaufen, sondern mein Bestes für den Club geben». Teure Transfers lehnt er aber ab: «Man kann viel Geld ausgeben und trotzdem ein schlechtes Team haben.»