Hamburg (dpa) - Der HSV und der 1. FC Köln stehen nach drei Spieltagen mit nur einem Punkt am Tabellenende, bei beiden Vereinen wird das Umfeld unruhig. Die Trainer Oenning und Solbakken müssen vor der Länderspielpause unbedingt punkten, sonst stehen ihnen unruhige Wochen bevor.

Im Duell der Fehlstarter der Fußball-Bundesliga stehen die Trainer Michael Oenning und Stale Solbakken unter verschärfter Beobachtung. Den Vorletzten Hamburger SV und Schlusslicht 1. FC Köln eint vor dem Krisengipfel am Samstag im Volkspark die bisherige Ausbeute von einem mageren Punkt und das schlechte Torverhältnis von minus 7. Der HSV hat lediglich einen Treffer mehr erzielt. Wer verliert, sollte in der Länderspielpause weder Zeitung lesen noch in Hamburg oder Köln zum Bäcker gehen. Dann könnte es ungemütlich werden, auch wenn beide Vereine ihren Übungsleitern die Treue zugesichert haben.

«Wir müssen der Boss im eigenen Stadion sein», forderte HSV-Sportdirektor Frank Arnesen nach zwei Auswärtsklatschen in Dortmund (1:3) und Bayern (0:5). Eine Trainerdiskussion will man an der Elbe ebensowenig wie am Rhein zulassen. Oenning sucht im vierten Spiel mit der vierten Formation den dringend benötigten Sieg. Erst einmal durfte er als HSV-Chefcoach einen Punkte-Dreier feiern: beim 6:2 am 19. März zu seinem Einstand als Armin-Veh-Nachfolger ausgerechnet gegen die Domstädter. «Ich sehe das Positive, der Wille ist da», so Oenning, der die Profis in die Pflicht nimmt: «Sie stehen unter Bewährung.»

Kapitän Heiko Westermann beordert er nach dem Ausflug ins Mittelfeld in die Innenverteidigung zurück, neben ihm könnte wegen des grippalen Infekts von Michael Mancienne der Niederländer Jeffrey Bruma auflaufen. Zugang Slobodan Rajkovic trainiert erst seit Mittwoch am Volkspark und wäre ein großes Risiko. Das geht der Coach schon mit dem Norweger Per Skjelbred ein, den er nach dem 45-Minuten-Einsatz gegen Hertha (2:2) wahrscheinlich wieder im offensiven Mittelfeld aufbieten wird. Stürmer Paolo Guerrero ist nach auskuriertem Muskelfaserriss eine Alternative in der Offensive.

Oenning selbst musste sich nach einem Fauxpas in der Kabine vor der richtungweisenden Partie unangenehmen Fragen stellen. Vor der Bayern-Niederlage soll er auf Miroslav Klose aufmerksam gemacht haben. Die Spieler hätten gelacht, weil der Nationalstürmer inzwischen zu Lazio Rom wechselte. Der 45 Jahre alte ausgebildete Deutschlehrer tat dies als «freudschen Versprecher» ab, ärgerte sich aber, dass Interna nicht intern bleiben: Grundsätzlich sei es eine «Katastrophe», wenn etwas aus der Kabine nach außen getragen würde. Dennoch beteuert er, dass er sich nicht von seinen Spielern hintergangen fühlt.

Ähnlich unruhig wie in Hamburg ging es zuletzt auch in Köln zu. Die Spekulationen um einen Transfer von Lukas Podolski zum türkischen Club Galatasaray Istanbul hielten sich hartnäckig, obwohl die FC-Vereinsführung Verhandlungen wiederholt ablehnte. «Eine typische Kölner Woche liegt hinter uns - mit vielen Dingen, die nicht auf dem Platz passiert sind», kommentierte Trainer Solbakken.

In Hamburg will der FC wieder mit positiven sportlichen Leistungen auf sich aufmerksam machen. Nach dem 1:1 gegen Kaiserslautern wähnt der Coach sein Team auf dem Weg der Besserung. Ob der von einem Infekt genesene Podolski in die Startelf zurückkehrt, ließ Solbakken offen: «Wir werden sehen, ob er 30, 60 oder 90 Minuten spielen kann.»