Madrid (dpa) - Beim verspäteten Saisonstart in Spanien betreten 20 Vereine die Meisterschaftsbühne. Den Hauptakt um den nationalen Fußball-Titel werden aber erneut nur die Protagonisten Real Madrid und FC Barcelona geben.

Die Karikatur zeigt den Real-Präsidenten Florentino Pérez in vertrauter Runde mit seinem Barça-Kollegen Sandro Rosell. «Wir sollten die spanische Fußballmeisterschaft allein unter uns ausmachen», legt der Zeichner dem Boss von Real Madrid in den Mund. Der Clubchef des FC Barcelona stimmt zu: «Wen interessiert es schon, wer Dritter oder Vierter wird?»

Die spanische Liga steht mehr denn je im Zeichen des Duells zwischen den Erzrivalen Real und Barça. Im Land des Weltmeisters ist weit und breit kein Verein in Sicht, der den beiden Großen den Rang streitig machen könnte. Der FC Valencia, der einst vier Spieler aus dem Weltmeister-Kader in seinen Reihen hatte, musste seine Kronjuwelen verkaufen, um den Club vor der Pleite zu bewahren.

«Königliche» und Katalanen tragen ihre Rivalität immer verbissener und auch mit unfeinen Mitteln aus. Die Spiele zwischen beiden Clubs um den spanischen Superpokal gaben einen Vorgeschmack darauf, was die Fans in dieser Saison zu erwarten haben. Real-Trainer José Mourinho war so frustriert darüber, dass Barça sich den ersten Titel der Saison sicherte, dass er dem gegnerischen Assistenzcoach Tito Vilanova einen Finger ins Auge stach. Das Opfer reagierte mit einer Ohrfeige.

Mourinho wurde nach der Fingerattacke von seinem Club nicht zurechtgewiesen, sondern von den Fans gefeiert. Anhänger brachten im Bernabéu-Stadion ein riesiges Spruchband an mit der Aufschrift: «Mou, Dein Finger weist uns den Weg.» Dabei waren die «Königlichen» bisher ein Club, der viel Wert auf feine Manieren und gepflegte Umgangsformen legte. Davon scheinen die Madrilenen nichts mehr wissen zu wollen. Sie kennen nur noch ein Ziel: Sie wollen die Dominanz des FC Barcelona brechen. Um dies zu erreichen, machten sie einen Mann wie Mourinho in ihrem Club quasi zum sportlichen Alleinherrscher.

Alteingesessene Anhänger der «Königlichen» fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Dazu gehört auch Alfredo Relaño, einer der renommiertesten Sportjournalisten in Spanien und Chefredakteur der - mit Real sympathisierenden - Zeitung «As». «Barça ist zu einer solchen Obsession geworden, dass der Zweck die Mittel heiligt», schreibt er in einem Leitartikel. Nach Angaben des Blattes ist auch die UEFA besorgt über die wachsenden Spannungen zwischen Real und Barça.

Spielerisch präsentieren die Madrilenen sich stärker als in der vorigen Saison. Sie haben zwar keine Weltstars verpflichtet, aber beim spanischen Supercup bewiesen, dass sie dem Meister und Champions-League-Sieger Paroli bieten können. Nach Mesut Özil und Sami Khedira holte Real zwei weitere Spieler aus der Bundesliga: Die Türken Nuri Sahin (Borussia Dortmund) und Hamit Altintop (Bayern München) konnten aber wegen Verletzungen noch nicht ihr Debüt feiern.