New York/Washington (dpa) - Millionen Amerikaner haben sich am Freitag für den Hurrikan «Irene» gerüstet, der Kurs auf die US-Ostküste genommen hat.

Meteorologen erwarten, dass der Sturm der Kategorie 2 am Samstagmorgen (Ortszeit) zunächst über die Inselkette Outer Banks im Bundesstaat North Carolina hinwegfegt, um dann die Küste entlang New York anzusteuern. Zehntausende Menschen ergriffen bereits die Flucht, in zahlreichen Geschäften kam es zu Hamsterkäufen, und an Tankstellen bildeten sich lange Autoschlangen. Im New Yorker Stadtteil Manhattan begann die Evakuierung von Krankenhäusern. Fünf Bundesstaaten erklärten am Freitag vorsorglich den Notstand.

Präsident Barack Obama rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, «Irene» sehr ernst zu nehmen und keine Risiken einzugehen. «Alles deutet darauf hin, dass dies ein historischer Sturm ist», sagte Obama an seinem Urlaubsort Martha's Vineyard in Massachusetts. «Irene» werde wahrscheinlich «extrem gefährlich und kostspielig». Menschen in bedrohten Gebieten sollten nicht länger zögern: «Sie müssen jetzt Vorkehrungen treffen. Warten Sie nicht», warnte der Präsident, der nach Angaben des Senders CNN seinen Urlaub vorzeitig beendet und schon am Freitagabend (Ortszeit) nach Washington zurückkehren wollte.

«Irene» bewegte sich nach Angaben des Hurrikanzentrums in Miami am Freitag mit rund 20 Kilometern pro Stunde auf die bereits weitgehend evakuierten Outer Banks zu. Im Zentrum des Sturms wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 177 Stundenkilometern gemessen. Experten schlossen nicht aus, dass der Hurrikan nach seinem erwarteten Zug über die Inselkette vorübergehend an Stärke zulegt und dann möglicherweise als Sturm der Kategorie 1 abgeschwächt die New Yorker Region erreicht. Die höchste Warnstufe ist die Kategorie 5.

Der Hurrikan hatte bereits auf seiner Reise über der Karibik auf den Bahamas Häuser zerstört, Palmen entwurzelt und Telefonmasten umgeknickt. An der nordamerikanischen Ostküste wird nun mit schweren Überschwemmungen und weitflächigen Stromausfällen gerechnet, wie Heimatschutzministerin Janet Napolitano mitteilte. Die Auswirkungen könnten bis weit ins Inland reichen, warnte sie. «Das hier ist nicht nur ein Küstenereignis.» Nach Angaben von CNN könnten bis zu 80 Millionen Menschen von «Irene» betroffen sein.

In New York wurde wegen einer möglichen Überflutung von U-Bahn-Tunneln erwogen, bereits am Samstag den gesamten Nahverkehr einzustellen und die 15-Millionen-Metropole zur Fußgängerzone zu erklären. Experten warnten, dass allein in dieser Stadt bis zu 700 000 Einwohner tage- oder sogar wochenlang ohne Strom sein könnten. Erwartet wurde auch der Ausfall von Internet- und Handyverbindungen.

«Es kann da Windstärken von zehn bis zwölf geben - also Orkanböen», sagte Andreas Wagner vom Wetterdienst Meteomedia der Nachrichtenagentur dpa. «Von Philadelphia über New York bis Boston können flächendeckend große Regenmengen fallen. Da muss mit Überschwemmungen und Sturmschäden gerechnet werden.»