Berlin/Freiburg (dpa) - Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat «großes Verständnis» für die am Rande des Staatsbesuchs von Papst Benedikt XVI. angekündigten Proteste gegen die Sexuallehre der katholischen Kirche.

«Ich verstehe, und das ist auch in Ordnung, dass Bürgerinnen und Bürger den Papstbesuch benutzen, um hier darauf aufmerksam zu machen, dass die katholische Kirche mit ihrer Lehre Thesen vertritt, die weit in die zurückliegenden Jahrtausende gehören, aber nicht in die Neuzeit», sagte Wowereit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

«Insofern habe ich großes Verständnis dafür, immer vorausgesetzt, dass diese Proteste im friedlichen und demokratischen Rahmen passieren. Damit muss die katholische Kirche leben. Das widerspricht auch nicht einer Gastfreundschaft, die wir bei einem Staatsbesuch zeigen sollen», sagte Wowereit.

Auf die Nachfrage, ob er damit nicht indirekt zu Demonstrationen gegen den Besuch des Papstes aufruft, sagte Wowereit: «Nein, das tue ich nicht.» Berlin freue sich auf den Besuch Benedikts XVI. «Er ist in der Hauptstadt herzlich willkommen.»

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte der dpa: «Wir leben in einem freien Land, jeder kann offen seine Meinung kundtun. Protestieren gehört zu den Grundrechten und bildet das Fundament unserer Verfassung.» Die Landesregierung Baden-Württemberg freue sich auf den Besuch des Papstes.

Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch sagte den «Badischen Neuesten Nachrichten» (Samstag): «Natürlich gibt es auch hier Menschen, denen der Besuch des Papstes ein Stein des Anstoßes ist und die demonstrieren möchten. Wir leben schließlich in einer pluralen Gesellschaft.» Solange es friedlich und respektvoll bleibe, könne die Kirche mit dem Protest leben.

Wowereit wird den Papst am 22. September treffen. Vor der Messe im Olympiastadion will sich Benedikt XVI. dort in Begleitung von Wowereit in das Goldene Buch der Stadt eintragen. «Ich nehme an, dass der Papst informiert wird, wenn es ihn interessiert, dass ich mit einem Freund zusammenlebe», sagte Wowereit, der sich zu seiner Homosexualität offen bekennt.