Bengasi/Istanbul/New York (dpa) - Die Militärführung der libyschen Aufständischen bereitet sich auf den Einmarsch in die letzten Hochburgen von Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi vor.

Die Bewohner von Gaddafis Heimatstadt Sirte sowie der Wüstenstadt Sebha zeigen sich bislang unbeeindruckt von einem bis Samstag laufenden Ultimatum, die Waffen zu strecken.

Die Medien der Rebellen meldeten in der Nacht zum Mittwoch auch neue Gefechte in der Umgebung der Stadt Bani Walid. Nach Rebellenangaben kamen seit Beginn des Aufstandes gegen Gaddafis Regime vor sechs Monaten mindestens 50 000 Menschen ums Leben.

Auch mehr als eine Woche nach dem Fall von Tripolis gibt es keine gesicherten Informationen über den Aufenthaltsort Gaddafis. Nach Spekulationen in arabischen Medien könnte der 69-Jährige in Bani Walid untergetaucht sein. Die Stadt stehe unter dem Schutz der Warfalla, des größten libyschen Stammes, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija. Dagegen behauptete ein ehemaliger Leibwächter von Gaddafis Sohn Chamis, dass sich der Ex-Diktator in die 770 Kilometer südlich von Tripolis gelegene Garnisonsstadt Sebha abgesetzt habe.

Unterdessen ist Gaddafis Sohn Al-Saadi nach Berichten des arabischen Senders Al-Dschasira angeblich bereit, sich den Rebellen zu ergeben, wenn ihm im Gegenzug sicheres Geleit zugesagt werde. Al-Saadi suche Kontakt zum Übergangsrat, um über eine Machtübergabe zu verhandeln.

Eine Woche nach der Befreiung von Tripolis durch die Aufständischen bleibt die humanitäre Lage in der libyschen Hauptstadt kritisch. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bat in New York die internationale Gemeinschaft um schnelle Hilfe. Nach letzten Schätzungen seien 60 Prozent der Einwohner in der Hauptstadt Tripolis ohne Wasser- und Abwasserversorgung. Es sei unklar, wie lange die Reparatur von Pumpen noch dauern werde, sagte Ban Ki Moon.

Großbritannien gibt libysche Banknoten im Wert von 1,1 Milliarden Euro an die Übergangsregierung frei. Die Banknoten in libyschen Dinar wurden in einer britischen Druckerei gedruckt. Aufgrund der UN-Sanktionen waren sie «eingefroren» worden. Die Vereinten Nationen hätten sie am späten Dienstagabend freigegeben, sagte Großbritanniens Außenminister William Hague.