Brüssel/Bengasi/New York (dpa) - Die Nato will auch nach einem Ende des Militäreinsatzes in Libyen weiter Flagge zeigen. Nato-Soldaten könnten für eine begrenzte Zeit den Luftraum überwachen und Schiffe vor der Küste Libyens kontrollieren.

Dies vereinbarten die Vertreter der 28 Nato-Staaten am Mittwoch im Nato-Rat in Brüssel. Eine Entsendung von Bodentruppen kommt dagegen für das Bündnis nicht in Frage. Nach dem Ultimatum der Rebellen gibt es in der Heimatstadt des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Sirte, bislang keine Anzeichen für eine Kapitulation.

Die Bevölkerung in der rund 75 000 Einwohner zählenden Küstenstadt sei gespalten, berichtete der Nachrichtensender Al-Dschasira. Eine Hälfte plädiere für Kampf, die andere Hälfte für Kapitulation. Stammesälteste versuchten, die Gaddafi-Truppen wenigstens davon zu überzeugen, dass im Fall eines Kampfes Frauen und Kinder zuvor die Stadt verlassen könnten. Nach Rebellenangaben kamen seit Beginn des Aufstandes gegen Gaddafis Regime vor sechs Monaten mindestens 50 000 Menschen ums Leben. Unabhängige Schätzungen lagen im Detail nicht vor.

Auch die in der Wüste gelegene Garnisonsstadt Sebha hat bislang das Ultimatum der Rebellen nicht akzeptiert. Die neuen Machthaber fordern, dass die letzten Gaddafi-Getreuen ihre Waffen bis zur Nacht vom Freitag auf Samstag strecken.

Libysche Rebellen setzen nach Informationen der «Stuttgarter Nachrichten» (Mittwoch) und des ARD-Magazins «Kontraste» G36-Sturmgewehre aus Deutschland ein. Recherchen hätten ergeben, dass die Waffen bei Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar (Baden-Württemberg) hergestellt worden seien. Dies belegten der Herstellerstempel und die sogenannte Beschussmarke.

Die Sturmgewehre seien den Rebellen nach Augenzeugenberichten beim Sturm auf die Residenz Gaddafis in Tripolis vergangene Woche in großer Anzahl in die Hände gefallen. Die Geschäftsführung des Herstellers sagte den «Stuttgarter Nachrichten»: «Wir schließen aus, dass diese Waffen von Heckler & Koch nach Libyen geliefert worden sind.»

In Brüssel hieß es, Voraussetzung für eine Fortsetzung des Nato-Einsatzes sei, dass die künftige libysche Regierung dies wünsche. Der Vorschlag Frankreichs, eine Beobachtermission mit deutscher Beteiligung nach Libyen zu schicken, hat derzeit wohl wenig Chancen auf Verwirklichung. «In unseren Gesprächen mit dem NTC (Übergangsrat) wird ganz deutlich, dass die Libyer jede Art eines militärischen Einsatzes durch die UN oder andere verhindern möchten», sagte der Libyen-Sondergesandte Ian Martin in New York.