Daegu (dpa) - Den Schwung von Berlin mitnehmen, die wenigen Chancen in Daegu nutzen und Lust auf Olympia in London machen: Zwei Jahre nach dem erfolgreichen Heimspiel muss sich das verjüngte deutsche Leichtathletik-Team bei den Weltmeisterschaften in Südkorea bewähren.

Die Verbandsfunktionäre scheuen vor dem Auftakt am Samstag eine Medaillenprognose und nehmen Klagen über die Bedingungen im Trainingslager gelassen. «Unser Maßstab sind zunächst nicht die Medaillen. Für uns ist wichtig, dass möglichst viele an ihre Leistungsfähigkeit herankommen und sie auch übertreffen», sagte Vizepräsident Günther Lohre bei einer Pressekonferenz des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Daegu.

Gleich neun Neulinge stehen im 72-köpfigen Team, das Durchschnittsalter liegt bei 25,5 Jahren. «Wir haben eine sehr junge, sehr schlagkräftige Mannschaft am Start», betonte Verbandschef Clemens Prokop. Für Lohre ist die Wettkampf-Erfahrung, die Talente bei einer WM sammeln können, extrem wichtig: «Man tut sich beim zweiten Mal viel, viel leichter», sagte er.

2009 in Berlin hatten die DLV-Asse neunmal Edelmetall geholt. Diskus-Riese Robert Harting ist nach dem Rücktritt von Speerwerferin Steffi Nerius der einzige Titelverteidiger. Prokop hatte im Vorfeld der WM auf das Gesetz der Serie gehofft, nachdem es 2005 fünf, 2007 sieben und 2009 neun Medaillen gegeben hatte und es demnach nun elf werden könnten. «Das war natürlich nur ein Scherz», sagte der Amtsgerichts-Präsident aus Kelheim nun. Die sportlichen Erwartungen zu äußern, «das ist ein bisschen wie Kaffeesatz-Leserei».

Für den früheren Stabhochspringer Lohre ist zumindest in einem Punkt eine Steigerung gegenüber Berlin drin: «Trotz der Medaillen haben dort relativ wenige ihr eigentliches Potenzial erreicht. Ich hoffe, dass uns dies in diesem Jahr gelingt.»

Ausgerechnet die größte Titelhoffnung des DLV, Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler, hatte kurz vor dem WM-Startschuss für Aufsehen gesorgt: Die Frankfurterin reiste vier Tage früher als geplant vom Trainingscamp auf der südkoreanischen Ferieninsel Jeju nach Daegu. «Wenn man dann so schlechte Trainingsbedingungen hat und nur improvisieren muss, ist man angefressen. Wir wirken da entgegen», sagte die Goldmedaillen-Gewinnerin von Osaka 2007. Sie hatte unter anderem geklagt: «Die Hammerwurfanlage hat einen kleinen Hügel drin, man dreht von unten nach oben.»

Man könne es, so Lohre, bei so einer großen WM nicht jedem recht machen. «Ich denke, insgesamt war das Trainingslager richtig gut. Ich hoffe, dass sich das auch auf die Leistungen positiv auswirkt.» Hammerwerfer Markus Esser erklärte: «Mich hat das weniger gestört als die Mädels. Wir können eben nicht alles, was wir in Deutschland haben, auf die Insel rüberbringen.»