Gütersloh (dpa) - Der Medienriese Bertelsmann hat in der ersten Jahreshälfte gut verdient, sieht aber mit gedämpften Erwartungen in die Zukunft. Die «Unsicherheiten im wirtschaftlichen Umfeld» hätten zugenommen, sagte der Finanzvorstand des größten europäischen Medienkonzerns, Thomas Rabe.

Entgegen früheren Prognosen werde zumindest das operative Ergebnis voraussichtlich leicht unter dem Vorjahreswert liegen, sagte Rabe am Mittwoch in Gütersloh. Dazu trügen auch Anlaufkosten für neue Projekte und höhere Energiekosten bei. Unter dem Strich rechnet Bertelsmann jedoch mit einem höheren Gewinn. Die Firma macht jeden vierten Euro ihres Umsatzes mit Werbung.

Der Konzern steigerte den Gewinn im ersten Halbjahr 2011 um fast 10 Prozent auf knapp 270 Millionen Euro. Die Konzernerlöse wuchsen um rund 2 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Die Umsatzzuwächse kämen zu großen Teilen aus den werbegeprägten Unternehmensbereichen RTL Group und Gruner + Jahr sowie vom Dienstleister Arvato, hieß es. Beim Gewinn profitierte Bertelsmann vor allem vom Fernsehgeschäft und dem Buchverlagsgeschäft von Random House, wie Vorstandschef Hartmut Ostrowski bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen erläuterte. Das Unternehmen erwartet im Gesamtjahr ein «moderates Umsatzwachstum».

Der Medienriese hat mittlerweile rund 1,6 Milliarden Euro auf der hohen Kante und will viel Geld in Zukunftsmärkte wie Bildung, Fernsehen und Musikrechte stecken. Zu konkreten Neuerwerbungen hielt sich Ostrowski aber am Mittwoch bedeckt. Der von Bertelsmann und dem Finanzinvestor KKR gemeinsam betriebenen Songrechte-Sparte BMG wird Interesse am Katalog des angeschlagenen britischen Musikkonzerns EMI nachgesagt. Die Tochter RTL Group soll laut Berichten zu den Interessenten für den polnischen Fernsehkonzern TVN zählen.

Zu beiden Gerüchtekomplexen wollten sich Ostrowski und Rabe nicht mehr näher äußern. «Wir befassen uns mit dem Thema EMI. Das passt zu der Akquisitionsstrategie von BMG», sagte Rabe über die Musikrechte-Tochter. «Polen ist ein interessantes Land für uns», hatte RTL Group-Chef Gerhard Zeiler in der vergangenen Woche auf Anfrage zum Thema TVN gesagt. Zu möglichen Neuerwerbungen im Bereich Erwachsenenbildung sagte Ostrowski: «Wir halten das Thema "Education" nach wie vor für ein spannendes Feld und sind dazu auch in Gesprächen und Verhandlungen.» Man werde sich äußern, wenn «etwas realisiert» sei. Der Rückzug des Staates aus dem Bildungssektor eröffne der Medienbranche neue Möglichkeiten, so der Konzernchef.

Die Entwicklung im ersten Halbjahr stimme ihn sehr zufrieden, sagte Ostrowski. «Das gibt uns den nötigen Rückenwind, um unsere Wachstumsstrategie konsequent weiter voranzutreiben. Hier haben wir in den vergangenen Monaten bereits gute Fortschritte gemacht.» Vor allem den asiatischen Markt haben die Gütersloher im Visier. Die RTL Group ist neuerdings bei zwei indischen Bezahlsendern mit im Boot. Auch der Zeitschriftentochter Gruner + Jahr ist der Markteinstieg in Indien gelungen. Arvato baute ein Logistikzentrum in China auf.