Bayreuth (dpa) - Wagner-Opern und ihre Interpretationen am Grünen Hügel bergen stets Zündstoff. So sorgte bei den 100. Bayreuther Festspielen Sebastian Baumgartens Neuinszenierung des «Tannhäuser» für Kopfschütteln und heftige Buhrufe.

Gleiches hatte Katharina Wagner selbst mit ihrer Debüt-Inszenierung der Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» in Bayreuth erlebt, die am vergangenen Mittwoch nach fünf Jahren letztmals gespielt wurde. Doch die Festspielleiterin gibt sich gelassen: «Egal, wer in Bayreuth inszeniert, es gibt immer einen Aufschrei.»

Katharina Wagners Cousine Nike Wagner hatte sogar eine Absetzung des «Tannhäuser» vom Spielplan gefordert. Die Festspielleiterin will sich dagegen prinzipiell nicht über die Arbeit von Kollegen und die Meinung von Kritikern äußern. Die 33-Jährige beruft sich auf den Werkstatt-Gedanken am Grünen Hügel, das bedeutet die Weiterentwicklung einer Inszenierung über Jahre hinweg. Sie geht davon aus, dass auch «Tannhäuser»-Regisseur Baumgarten die Kritiken aufnimmt und kontinuierlich an seinem Konzept weiterarbeitet. «Es ist gut, dass Inszenierungen Diskussionen auslösen. Das zeigt, dass sie niemanden im Publikum gleichgültig lassen», sagte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Positiv ist in Bayreuth das Echo auf die Opern «Lohengrin» und «Parsifal» und die Arbeit der Regisseure Hans Neuenfels und Stefan Herheim. «Lohengrin» war im Rahmen der vierten Siemens Festspielnacht erstmals live im TV-Kultursender arte zu sehen. Mit Klaus Florian Vogt in der Titelrolle und Annette Dasch als Elsa haben die Festspiele ein neues strahlendes Traumpaar. Außerhalb jeglicher Kritik standen auch in diesem Jahr die hervorragenden musikalischen Leistungen von Chor und Orchester.

«Lohengrin» und «Parsifal» stehen ebenso wie Baumgartens «Tannhäuser» und (letztmals) Christoph Marthalers «Tristan und Isolde» auch 2012 wieder auf dem Spielplan. Hinzu kommt die Neuinszenierung des «Fliegenden Holländer» durch Jan Philipp Gloger, bei der Bayreuths Hausdirigent Christian Thielemann nach einjähriger Abstinenz auf den Grünen Hügel zurückkehren wird.

Dagegen steht das Regie-Team für die Neuinszenierung des Vierteilers «Der Ring des Nibelungen» zum 200. Geburtstag von Richard Wagner (1813-1883) im Jahr 2013 noch nicht endgültig fest, nachdem Gespräche mit Filmemacher Wim Wenders gescheitert waren. Katharina Wagner wies Gerüchte als «absoluten Quatsch» zurück, dass auch Frank Castorf, der Intendant der Berliner Volksbühne, und Dirigent Kirill Petrenko abgesagt hätten. Der Vertrag mit Petrenko stehe seit längerem. Die Verhandlungen mit Castorf und Bühnenbildner Aleksandar Denic seien auf einem guten Weg, betonte Katharina Wagner.

Möglicherweise hatte «Lohengrin»-Regisseur Hans Neuenfels mit seiner Bemerkung, er könne sich als Teil eines Teams für den «Ring» vorstellen, die Fantasie von Beobachtern beflügelt. So wurde spekuliert, Neuenfels werde «Rheingold» und «Walküre» inszenieren, Stefan Herheim den «Siegfried» und Katharina Wagner selbst die «Götterdämmerung». Dazu erklärte die Festspielleiterin kopfschüttelnd: «Ich würde nie die "Götterdämmerung" inszenieren wollen, schon eher die "Walküre".» Nach einer siebenstündigen Kurzfassung des «Rings» im Herbst 2012 in Buenos Aires will sie in Bayreuth erst 2015 bei «Tristan und Isolde» wieder als Regisseurin aktiv sein.