Bergisch Gladbach (dpa) - Die FDP will angesichts der Querelen um Außenminister Guido Westerwelle mit einem Zwölf-Punkte-Plan wieder stärker inhaltliche Akzente setzen.

Wie die Nachrichtenagentur dpa am Rande der Klausurtagung der FDP-Bundestagsfraktion in Bergisch Gladbach erfuhr, werden in einer «Bensberger Erklärung» liberale Standpunkte zur «Sicherung von Wachstum und Beschäftigung» festgelegt. Führende FDP-Politiker bemühten sich, die Debatte um den wegen seiner Libyen-Haltung in die Schusslinie geratenen Westerwelle vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin einzugrenzen.

Die auf die Zeit bis zur nächsten Bundestagswahl 2013 ausgerichtete «Bensberger Erklärung» sollte noch am Mittwoch von den FDP-Abgeordneten auf Schloss Bensberg beschlossen werden. Schwerpunkte in dem Strategiepapier sind unter anderem die Europa-Politik mit der Euro-Rettung, die Forderung nach einer Entlastung der Bürger bei Steuern und Abgaben, mehr Zuwanderung ausländischer Fachkräfte und flexiblere Lösungen für den Arbeitsmarkt. Auch geht es um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine bezahlbare Energiewende sowie ein neues Miteinander von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

FDP-Chef Philipp Rösler hatte die Partei zum Auftakt der Klausur am Dienstag dazu aufgerufen, nicht länger über Westerwelle zu streiten. Er solle Außenminister bleiben und gehöre zum Führungsteam der Liberalen. «Das Thema ist beendet», sagte nun auch Fraktionschef Rainer Brüderle. In der Klausur habe die Auseinandersetzung über die Bewertung der Libyen-Politik durch Westerwelle nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Westerwelle selbst habe während der Klausur leidenschaftlich seine Sicht der Dinge dargestellt und viel Beifall bekommen, erklärte Brüderle. Aus dem Umfeld des angeschlagenen Außenministers verlautete, Westerwelle sei «nicht glücklich über die Debatte der vergangenen Tage». «Aber er ist mit dem Ausgang und dem Rückhalt aus der Fraktion und von der Basis zufrieden.» Westerwelle sei «entschlossen, das Blatt wieder zu wenden». Der Außenminister nahm am Morgen zusammen mit Rösler an der Kabinettssitzung in Berlin teil und wollte später wieder zur Klausur dazustoßen.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner betonte, Rösler habe über die Teamaufstellung entschieden. Westerwelle habe als Außenminister wichtige Projekte vorangetrieben und werde von der Partei unterstützt, sagte Lindner im Deutschlandfunk. Spekulationen, dass Westerwelle abgelöst werden könnte, falls die FDP bei den anstehenden Landtagswahlen schlecht abschneidet, seien «völlig aus der Luft gegriffen».

Nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen FDP-Landeschefs Daniel Bahr geht die Erholung der in Umfragen abgeschlagenen Liberalen nicht von heute auf morgen. «Wir werden uns verlorengegangenes Vertrauen zurückerarbeiten. Das braucht seine Zeit. Aber ich bin Marathonläufer und habe keine Angst vor langen Strecken», sagte der Bundesgesundheitsminister der «Westdeutschen Zeitung». Die Fraktionsklausur der Liberalen endet am Donnerstag.