Frankfurt/Main (SID) - Hans-Michael Holczer sieht das Engagement als Generalmanager des russischen Radsport-Teams Katjuscha als einmalige Chance. "Das Ding hier war einfach zu reizvoll. Wenn ich nein gesagt hätte, wäre ich daran zerbrochen", sagte der ehemalige Gerolsteiner-Teamchef im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Holczer kehrt nach dreijähriger Auszeit in den Profiradsport zurück. Für die Chance bei Katjuscha gibt der Realschullehrer sogar seinen Beamtenstatus auf. "Ich weiß nicht, ob ich es gepackt hätte, weiter in die Schule zu gehen mit dem Wissen, die Chance ausgelassen zu haben, das vielleicht größte Team der Welt verantwortlich zu übernehmen", sagte der 57-Jährige. Holczer hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben.

Bei Katjuscha will Holczer seiner Linie treu bleiben. "An meiner grundsätzlichen Einstellung zum Doping hat sich nichts verändert", sagte der Schwabe. Für überführte Sünder sei bei ihm kein Platz. "Es gab Gerüchte, dass Davide Rebellin kommen würde. Der kommt aber mit Sicherheit nicht. Danilo Di Luca wird ebefalls nicht bei mir fahren", so Holczer.

Vor den weiterhin bestehenden Problemen will Holczer die Augen nicht verschließen: "Wir müssen uns aber in irgendeiner Form mit dem Thema arrangieren. Wir müssen damit leben, dass jemand, der bejubelt wird, irgendwann vielleicht der Manipulation überführt wird. Das hat nichts mit Akzeptieren zu tun, schon gar nichts mit Legalisieren. Es hat etwas mit der Realität zu tun."

Holczer weiß, dass man beim 2009 gegründeten Team des russischen Oligarchen Igor Makarow viel von ihm erwartet. "Dass das unter Umständen ein Schleudersitz sein kann, ist mir bewusst", sagte Holczer, warnte aber auch vor überzogenen Erwartungen: "Wunderdinge kann ich nicht vollbringen. Das geht nicht in zwei, drei Jahren." Holczer tritt den Posten im kommenden Jahr an und hat einen Vertrag bis 2015 unterzeichnet.