Köln (SID) - Laut einer Historiker-Gruppe der Berliner Humboldt-Universität und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster existierte in Westdeutschland vor der Wende ein staatlich gefördertes Dopingsystem. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel in einer Vorab-Meldung. Sportmediziner sollen mit Fördergeldern des dem Bundesinnenministerium unterstehenden Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) nach leistungssteigernden Effekten von synthetischen Anabolika und Testosteron geforscht haben.

Dem BISp, das die Studie beauftragt hatte, ist laut der Historiker eine zentrale Rolle in der Dopingforschung zugekommen. Für die westdeutschen Sportmediziner sei das BISp ein "lukratives Finanzierungsinstrument" gewesen. Um bei Olympia 1972 in München Medaillen zu holen, seien laut Spiegel "eindeutige Signale" aus dem Bonner Innenministerium gekommen, "alle Mittel zu nutzen".

Nutznießer seien vor allem die Abteilung Sport- und Leistungsmedizin am Klinikum der Universität Freiburg sowie das Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln gewesen. Steuergelder seien "ohne echte Kontrolle verwendet" worden, urteilten die Historiker. Das BISp wollte sich laut Spiegel öffentlich noch nicht zu den Vorwürfen äußern.