Paris (dpa) - Beim letzten Urnengang vor der französischen Präsidentschaftswahl in sieben Monaten haben am Sonntag knapp 72 000 Wahlmänner die Hälfte des Pariser Senats neu bestimmt.

Wahlbeobachter gehen diesmal vor allem wegen unpopulärer Gebietsreformen von deutlichen Zugewinnen der oppositionellen Sozialisten aus. Bei dem komplizierten Wahlverfahren sind jedoch die schwach besiedelten ländlichen Gebiete überrepräsentiert, was vor allem die Sozialisten benachteiligt. Das konservative Lager von Präsident Nicholas Sarkozy hält im Senat - der zweiten Kammer des Parlaments - seit Gründung der V. Republik 1958 traditionell die Mehrheit.

Bei dem Wahlverfahren - einer Mischung aus Mehrheits- und Verhältniswahl - stimmen nach einem bestimmten Schlüssel ausgewählte Lokal- und Regionalpolitiker ab. In einigen Fällen könne auch andere Wahlmänner ernannt werden - sie machen rund 5 Prozent aus.

Die Senatoren bleiben sechs Jahre im Amt. Der Senat kann Gesetzesvorschläge der Nationalversammlung abändern und damit das Inkrafttreten verzögern, aber nicht verhindern. Das letzte Wort hat aber die Nationalversammlung. Der Senatspräsident ist offiziell der zweite Mann im Staat nach dem Präsidenten und vertritt ihn im Falle einer Verhinderung bei der Amtsausübung. Angesichts des komplizierten Wahlverfahrens und einer Veröffentlichung der Wahlsieger ohne Angabe der Parteizugehörigkeit durch das Innenministerium könnte das neue Mehrheitsverhältnis im Senat bei einem knappen Ausgang der Wahl erst bei der Wahl des neuen Senatspräsidenten am 1. Oktober bekanntwerden.

Da bei der Wahl auch drei amtierende Minister kandidieren - Gérard Longuet (Verteidigung), Chantal Jouanno (Sport) und Maurice Leroy (Stadtentwicklung) - könnte bei einem knappen Ergebnis eventuell auch eine Regierungsumbildung nötig werden. Longuet wurde nach Angaben des französischen TV-Senders BFM-TV bereits gewählt. Würden die drei Minister bei einer Wahl in den Senat nicht ihre Ministerposten niederlegen, könnten sie am 1. Oktober nicht bei der entscheidenden Wahl des Senatspräsidenten abstimmen.

Der Grund: Ihre Ersatzkandidaten können erst in einem Monat ihr Mandat ausüben. In dem Fall dürften nach Informationen der Zeitung «Journal du Dimanche» bei einem Rücktritt Jouannos das Sportressort dem Bildungsministerium, das der Stadtentwicklung dem Umweltministerium zugeschlagen werden.

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