Berlin (dpa) - Er sei sehr stolz darauf, als «persona non grata» (unerwünschte Person) vom Filmfestival in Cannes ausgeschlossen worden zu sein. Der Rauswurf sei wie eine Auszeichnung gewesen, sagte der umstrittene Filmregisseur Lars von Trier (55) jetzt in Berlin: «Wann hat es so etwas zuvor gegeben?»

Der als Provokateur bekannte Däne war im Mai nach dem Eklat wegen seiner Nazi-Äußerungen, für die er sich später entschuldigte, in Cannes ausgeschlossen worden und wollte keine Pressekonferenzen mehr geben. Nun trat er im Berliner Kino Babylon, das eine Retrospektive mit seinen Filmen zeigt, vor das Publikum. Auf Nachfrage eines Zuschauers erklärte der Regisseur, dass die Geschichte zeigen würde, dass wir alle in irgendeiner Weise Nazis wären. Außerdem dürfe es keine Tabus geben, über die nicht gesprochen werden dürfe.

Die Fans im ausverkauften Saal feierten von Trier, der nach eigenen Angaben schon in der Filmschule gegen die Regeln verstoßen habe. «Eine Provokation ist immer gut», sagte von Trier. Sie bringe die Menschen wieder zum Denken und lasse sie andere Dinge neu bedenken. Die besten Filme seinen deshalb diejenigen, aus denen die Zuschauer etwas verwirrt herauskämen. «Ein paar Tage später denkt man dann, was zur Hölle war das», sagte von Trier.

Kino Babylon

Melancholia