Berlin/Staffelstein (dpa) - Gut eine Woche vor der Bundestagsabstimmung über den erweiterten Euro-Rettungsschirm ist ein Erfolg der schwarz-gelben Koalition weiter fraglich.

Die Mehrheit von Union und FDP sei aber ohnehin nicht zwingend erforderlich, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der «Berliner Zeitung» (Mittwoch). Davon hänge der Fortbestand der Regierung nicht ab.

Heftig gestritten wurde am Mittwoch im Bundestag über das Thema «Geordnete Insolvenz: Die Haltung der Bundesregierung». Die Grünen hatten unter dieser Überschrift eine Aktuelle Stunde beantragt mit Blick auf die umstrittenen Griechenland-Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Im Haushaltsausschuss des Bundestags wurde bis zum Abend abschließend über den Euro-Rettungsschirm beraten. Mit Blick auf die Abstimmung in der kommenden Woche sagte Schäuble, man habe eine Mehrheit von 80 Prozent im Bundestag. Damit bezog er sich auf die Zusage von SPD und Grünen, der umstrittenen Erweiterung am 29. September zuzustimmen.

SPD-Fraktionsvize Joachim Poß sagte in der Aktuellen Stunde, die schwarz-gelbe Bundesregierung sei in «Chaos und Auflösung». Vize-Kanzler Rösler solle sich fragen, ob er sein Amt aufgebe. FDP-Generalsekretär Christian Lindner entgegnete, Rösler bleibe bei seiner Position. SPD-Chef Sigmar Gabriel sei eine «fleischgewordene Pirouette», weil sich die SPD im Mai 2010 kurz vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen beim ersten Griechenland-Hilfspaket im Bundestag enthalten habe und jetzt für Athen kämpfe.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte, es sei fahrlässig, den von der eigenen Regierung eingeleiteten Umtausch griechischer Staatsanleihen mit dem «Gerede von einer Insolvenz» auszubremsen, so dass die ohnehin schon geringe private Gläubigerbeteiligung noch kleiner ausfalle.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle zeigte sich überzeugt, dass die Koalition bei der Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm eine eigene Mehrheit erreichen wird. Er sei sogar zuversichtlich, dass es für die symbolisch wichtige Kanzlermehrheit reichen könnte, meinte Brüderle. Diese liegt eine Stimme über der absoluten Mehrheit aller Abgeordneten - unabhängig von der Zahl der Anwesenden. Schwarz-Gelb kann sich dafür nur 19 Abweichler leisten.