Berlin (dpa) - Papst Benedikt XVI. kommt heute zu seinem ersten Staatsbesuch nach Deutschland. Vier Tage lang besucht der deutsche Pontifex seine Heimat - Berlin, Erfurt und das Thüringer Eichsfeld sowie Freiburg im Südwesten.

Mit Spannung werden Signale zur Ökumene erwartet. Doch zunächst gibt es eine politische Premiere: Als erster Papst spricht Benedikt (84) heute im Bundestag. In Zeiten der Schuldenkrise erwarten viele von ihm auch politische Botschaften. Im Berliner Olympiastadion werden wenig später 70 000 Gläubige zu einer Messe der Superlative mit dem katholischen Kirchenoberhaupt erwartet, die weltweit live übertragen wird.

Die Papstrede im Bundestag ist umstritten. Der geplante Boykott durch etwa 100 der 620 Parlamentarier stößt bei Spitzenpolitikern von SPD und CDU auf Unverständnis. Die katholische SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte der «Neuen Westfälischen», die Abgeordneten hätten schon vielen anderen Gastrednern zugehört, «etwa Wladimir Putin und George W. Bush». Diesen Respekt «sollten wir auch dem Papst zollen». Inhaltlich wünscht sich Nahles, dass der Papst zur Finanzkrise, zu den Kapitalmärkten und der «hemmungslosen Profitgier» kritische Worte finde. Der Rede des Papstes wollen Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken fernbleiben, weil sie seinen Auftritt für unvereinbar mit der religiösen Neutralität des Staates halten.

Überall an den Reisezielen des Papstes gilt die höchste Sicherheitsstufe - wie bei einem Besuch von US-Präsident Barack Obama. Die Behörden rüsten sich für einen Mega-Einsatz mit insgesamt mindestens 16 000 Polizisten.

Bundespräsident Christian Wulff hofft, dass die Kirche ihr Verhältnis zu geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken ändert. «Die Millionen Menschen, die in konfessionsverschiedenen Ehen leben, und die Millionen wiederverheirateten Katholiken, aber auch viele andere Gruppen erwarten ... befreiende Botschaften», sagte Wulff der Wochenzeitung «Die Zeit» und der katholischen Nachrichtenagentur KNA.

Die katholische Kirche verweigert bisher wiederverheirateten Geschiedenen die Teilnahme an der Kommunion. Der geschiedene und wiederverheiratete Katholik Wulff ist als Bundespräsident Gastgeber des Papstes.

Deutschlands oberster Katholik Robert Zollitsch erwartet vom Papst positive Signale für die weitere Annäherung von katholischer und evangelischer Kirche. Schon der Treffpunkt im evangelischen Augustinerkloster zu Erfurt, in dem Martin Luther gelebt habe, sei ein Zeichen nach außen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im Deutschlandradio Kultur. Auch Begegnungen mit Vertretern der jüdischen Gemeinde und des Islam sind geplant.