Hamburg/Washington (dpa) - Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, befürchtet eine deutliche Abkühlung der weltweiten Konjunktur und warnt vor einem Rückfall in die Rezession.

Über den Sommer habe der IWF eine neue Vertrauenskrise festgestellt, die die wirtschaftliche Lage weltweit belaste, sagte Lagarde dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Deshalb müssten Maßnahmen ergriffen werden, «um eine drohende Abwärtsspirale abzuwenden». Lagarde plädierte dafür, «dass die Länder ihren Sparkurs anpassen und wachstumsfördernde Maßnahmen ins Auge fassen».

Zuvor hatte bereits Weltbankpräsident Robert Zoellick auf die eingetrübten Aussichten hingewiesen. Für die globale Wirtschaft besteht das Risiko, «in diesem Herbst in eine neue Gefahrenzone» zu rutschen, sagte er am Samstag auf einer Konferenz in Peking.

Lagarde forderte die Bundesregierung auf, für den Fall eines neuerlichen Wachstumseinbruchs ein Konjunkturprogramm aufzulegen. «Wenn der Export, auf dem das deutsche Wirtschaftsmodell beruht, einbricht, dann könnte die Bundesregierung gegensteuern», sagte die Französin dem «Spiegel». Wenn Deutschland seine Binnennachfrage belebe, sei das gut für die deutsche Wirtschaft und die der Nachbarländer. Spielraum für konjunkturstützende Maßnahmen sei vorhanden.

Lagarde verteidigte zugleich die Feststellung von IWF-Experten, wonach dem Bankensektor Europas bis zu 200 Milliarden Euro an Eigenkapital fehlen könnten. «Generell sehen wir die Notwendigkeit, dass die europäischen Banken rekapitalisiert werden, so dass sie stark genug sind, den Risiken der Staatsschuldenkrise und des schwachen Wachstums zu widerstehen», sagte sie. Die Aufstockung des Eigenkapitals sei notwendig, um weitere Ansteckung zu verhindern.