Misano (dpa) - Gejagter und Jäger in einer Person: Stefan Bradl hat im Krimi Motorrad-WM die Hauptrolle übernommen. Der Spitzenreiter der Moto2-Klasse muss sich den Angriffen seines bärenstarken Kontrahenten Marc Marquez erwehren, darf diesen aber auf der Strecke nicht entkommen lassen.

Beim San Marino-Grand-Prix feierte Marquez seinen sechsten Saisonsieg und rückte bis auf 23 Punkte an Bradl heran, der mit Kämpferherz und technischer Klasse Platz zwei erreichte und damit weiter Schadensbegrenzung betrieb.

Sandro Cortese dagegen verpasste in der Achtelliter-Kategorie seinen dritten Podestplatz hintereinander. Der Berkheimer musste sich mit Rang vier begnügen, verkürzte aber den Rückstand in der Gesamtwertung auf Platz drei auf einen Zähler. Sieger wurde WM-Spitzenreiter Nicolas Terol aus Spanien.

Die Pole Position ist keine Sieggarantie mehr für Stefan Bradl. Nachdem er alle Trainingseinheiten samt Qualifikation sicher beherrscht hatte und zum siebten Mal in diesem Jahr von Startplatz eins aus ins Rennen gegangen war, musste er sich erneut seinem Dauerrivalen geschlagen geben. «Ich bin nicht so glücklich wie nach dem Qualifying», gestand der Zahlinger dann auch. Niedrigere Asphalt-Temperaturen wirkten sich negativ auf seine Reifen aus. «Die haben heute nicht so gearbeitet wie im Training. Nach dem Abrutscher in Indianapolis sind wir aber wieder zurück und das ist sehr wichtig», meinte der 21-Jährige.

In den 26 Runden durchlebte er ein Wechselbad der Gefühle. Bereits in Runde eins gab es eine Schrecksekunde, als er einen Sturz nur mit Mühe verhindern konnte. Positionskämpfe sorgten dafür, dass er mal Erster, lange Zeit aber auch nur Vierter war. «In den letzten Runden ist mir das Hinterrad immer wieder ausgebrochen, obwohl ich auf der Bremse richtig stark war. Ich habe Andrea Iannone in Schach gehalten, aber eben leider den einen oder anderen Fehler zu viel gemacht», analysierte Bradl.

Nicht wirklich glücklich war Cortese mit seinem vierten Platz. Ein Superstart hatte den Berkheimer auf Rang zwei katapultiert, dann konnte er aber weder das Tempo von WM-Spitzenreiter Terol noch der beiden Derbi-Piloten Johann Zarco (Frankreich) und Efren Vazquez (Spanien) halten. «Ich hatte mehr erwartet, denn es lief im Training gut», sagte der Aprilia-Pilot.