Wellington/Bangkok (dpa) - Am Ende brauchte Pinguin Happy Feet einen kleinen Schubs, um sich zurück ins große weite Meer zu trauen. Doch kaum im Wasser, gab es für das etwa dreijährige Jungtier am Sonntag kein Halten mehr: Es tauchte in der Nähe der Insel Campbell zwischen Neuseeland und der Antarktis ins dort 285 Meter tiefe und sieben Grad kalte Wasser ab und verschwand.

«Viel Glück, Mr HF», schrieb die Tierärztin Lisa Argilla in ihrem Reiseblog. «Bitte Richtung Süden schwimmen!»

Happy Feet hatte sich im Juni 3000 Kilometer weit nach Neuseeland verirrt, am Strand fraß er Sand und wurde krank. Warum er sich verirrte, blieb unklar. Für die Ärzte hatte von Anfang an festgestanden, dass der Kaiserpinguin zu seinen Artgenossen gehört und nicht in Neuseeland bleiben sollte. «Er wiegt jetzt knapp 25 Kilogramm und liegt damit im richtigen Bereich», sagte der Ökologe Colin Miskelly, der den Pinguin am 21. Juni als erster Experte in Augenschein genommen hatte, in einem Video über die Rettung.

Argilla hatte den Vogel im Zoo von Wellington betreut und war mit ihm vergangene Woche auf dem Forschungsschiff «Tangaroa» in südliche Gefilde aufgebrochen. Der Kaiserpinguin reiste in einer blauen, mit Eis gekühlten Spezialbox. Seine Freilassung war mit einigen Hindernissen verbunden: Das Forschungsschiff musste sich auf dem Weg nach Campbell durch Schlechtwetterfronten und teils acht Meter hohe Wellen kämpfen, wie Argilla schrieb.

Während die Ärztin sich seekrank über die Bordplanken schleppte, stand Happy Feet aufrecht und ungerührt in seiner Eisbox. «Er schwingt einfach mit dem Wellengang», schrieb sie ein bisschen neidisch. Als sie sich einmal beim Dinner-Servieren - es gab blauen Seehecht - zum besseren Halt an seinen Käfig lehnte, schnappte er nach ihr. «Als wollte er sagen: Nicht da, Fräulein, bei mir gibt es kein Anlehnen», schrieb Argilla.

Nur, als es am Sonntag 10.28 Uhr 49 Meilen nördlich der Insel Campbell ernst werden sollte mit der großen Freiheit, kniff der Pinguin zunächst. «Happy Feet brauchte ein bisschen sanften Druck, um den Käfig zu verlassen», schrieb Argilla. Der Zoo hatte eigens eine Rutsche gebaut, über die Happy Feet ins Wasser gleiten sollte. Er wehrte sich und rutschte schließlich rückwärts hinab. «Aber als er erstmal im Wasser war, ist er sofort abgetaucht.»

Die Tierärzte haben den Pinguin mit einem Peilsender ausgestattet. Über Satellit können sie seinen Standort und die Wassertemperatur in seiner Umgebung feststellen. «Der Sender ist so programmiert, dass er Daten liefert, bis Happy Feet im Sommer in die Mauser kommt», teilte der Hersteller Sirtrack mit. «Wenn er sein Federkleid wechselt, fällt der Sender ab und wir bekommen keine weiteren Daten.» Ob der Sender auch weiter sendet, wenn Happy Feet einem Wal oder einer Robbe vors Maul schwimmen sollte, darüber sprechen die Betreuer erst gar nicht.